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Verzichterklärung

Wird Nitrox als Atemgas zum Tauchen verwendet, ist hierfür eine spezielle Ausbildung erforderlich. Dieses Buch ist nach bestem Wissen und mit großer Sorgfalt erarbeitet worden, erfüllt aber nicht die Anforderungen einer Tauchausbildung.

Die Autoren und Herausgeber dieses Buches übernehmen keinerlei Haftung für Unfälle und Schäden jeglicher Art, die in Zusammenhang mit dem Inhalt dieses Buches entstehen. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung bleiben vorbehalten. Kein Teil dieses Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Foto: Reimund van Eeden

 

Lieber Kursteilnehmer, Liebe Kursteilnehmerin

Wir freuen uns, dass du dich für einen Ausbildungskurs nach den Richtlinien des NSC entschieden hast.

Dieses Lehrbuch soll dich bei deinem NSC Nitrox Kurs unterstützen und begleiten. Bei der Erstellung dieses Buches wurde großen Wert darauf gelegt, die für diese Ausbildung notwendigen Informationen auf eine leicht verständliche sowie interessante Weise zu vermitteln.

Seit nun mehr als 40 Jahren verbringen Menschen einen Teil ihrer Freizeit unter Wasser. Der Tauchsport hat sich in dieser Zeit stetig Doch die Zeit hat nicht halt gemacht bei der Entwicklung von Gasmischsystemen zur Herstellung von Nitrox. Was früher noch teuer und kompliziert war, lässt sich heute einfach und kosten- günstig mit einem „Knopfdruck“ erledigen. Aber nicht nur die Technik hat sich verändert, auch der Sporttaucher. Der Tauchsport hat sich in der Zeit stetig weiterentwickelt. Angepasste Ausbildungsrichtlinien, moderne Ausrüstung sowie medizinische Erkenntnisse haben Tauchen immer sicherer und komfortabler gemacht. Doch an den Grundzügen des Sporttauchens hat sich erst in den letzten Jahren etwas Entscheidendes verändert. Pressluft, lange Zeit das verwendete Atemgas beim Sporttauchen, wird langsam aber sicher durch Nitrox abgelöst. Schon seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Nitrox gegenüber Pressluft entscheidende Vorteile hat, nicht ohne Grund wird es im kommerziellen und militärischen Tauchen schon seit längerer Zeit eingesetzt. Dass Pressluft bisher das verwendete Atemgas für Sporttaucher war, hat sicher mehrere Gründe, eine weltweite Verfügbarkeit sowie geringe Herstellungskosten sind aber sicher ausschlaggebend gewesen.

Die heutigen Tauchprofile fallen viel flacher aus als in der Vergangenheit, dafür aber länger und mit mehreren Wiederholungen am Tag. Mit den Jahren hat sich eine Tauchtiefe von ca. 30 Metern und eine Tauchzeit von ca. 60 Minuten weltweit durchgesetzt und wird auch so auf den meisten Tauchbasen praktiziert. Dieses Profil ist optimal für das Tauchen mit Nitrox, da in diesem Tiefenbereich dessen Vorzüge komplett nutzbar sind. Der größte Vorteil ist gewiss der Sicherheitsgewinn unter Beibehaltung der bestehenden Lufttauchprofile auf Grund des geringeren Stickstoffgehaltes. Die Möglichkeit Grundzeiten zu verlängern sollte sich aber auf ausgewählte Tauchgänge beschränken.

Inhalt

   Einleitung 7

Vorwort 7

Allgemein 9

Kapitel 1 12

Definition von Nitrox 14

  • Die Zusammensetzung unserer Atemluft
  • Was ist Nitrox?

Anwendung von Nitrox 15

Sauerstoff und Partialdruck 16

  • Sauerstoff Partialdruck

Vorteile von Nitrox 18

  • Stickstoffnarkose Tiefenrausch Dekrompressionserkrankung

Die Geschichte von Nitrox 26

Wiederholungsfragen Kapitel 1 28

Kapitel 2 32

Das Gas Sauerstoff und seine Grenzen 34

Die Grenzen von Sauerstoff

Sauerstoffvergiftung (Hyperoxie) 37

  • Paul-Bert-Effekt Lorrain-Smith-Effekt

Wiederholungsfragen Kapitel 2 42

Kapitel 3 46

Maximale Tauchtiefe MOD 48

Equivalent Air Depth Table 48

  • EAD - Equivalent Air Depth-Prinzip 49
  • Verwendung der Equivalent Air Depth Table Nitroxtabellen

Nitroxcomputer

Der PO2-Sauerstoffpartialdruck 52

Einwirkungszeiten von Sauerstoff (Sauerstoffbelastung) 54

Wiederholungsfragen Kapitel 3 56

Kapitel 4 60

Sauerstoffanalyse 62

Nitrox-Füllbuch 64

Flaschenkennzeichnungen 65

  • Rundumaufkleber Flascheninhaltsanzeiger

Spezielle Ausrüstung für das Tauchen mit Nitrox 68

  • Sauerstoffanalyser Lungenautomaten

Wiederholungsfragen Kapitel 4 70

Allgemein

Ausbildungsstufen

Bei der Verwendung von Nitrox können zwei Vorteile genutzt wer- den. Durch den geringeren Stickstoffgehalt im Atemgas kann die Nullzeit verlängert oder bei unverändertem Lufttauchprofil die Sicherheit erhöht werden. Ob du dich ausschließlich für die Erhöhung der Sicherheit oder doch für beide Vorteile entscheidest, kannst du schon mit der Auswahl deiner Ausbildung beeinflussen. Dieses Lehrbuch ist in zwei Ausbildungsstufen untergliedert:

Level I (Nitrox 32 SUP)

Der Level I-Kurs dient ausschließlich zur Erhöhung der Sicherheit bei gleich bleibenden Tauchprofilen. Unter gleich bleibend versteht man, dass die Tauchzeitberechnung mit Pressluft durchgeführt wird, beim Tauchen aber Nitrox eingesetzt wird. Die Tauchtiefe beträgt dabei maximal 30 Meter, und als Atemgas darf Nitrox mit einem maximalen Sauerstoffgehalt von 32 % verwendet werden. Je nach Tauchtiefe kann die Stickstoffaufnahme dabei um mehr als 50% reduziert werden, und somit werden Probleme, für die der Stickstoff verantwortlich ist, verringert. Dazu zählen in erster Linie sämtliche Dekompressionserkrankungen.

Um den Kurs mit Level I abzuschließen, sind folgende Punkte notwendig:

  • Kapitel 1, 2 und 4 dieses Lehrbuches durcharbeiten
  • Wiederholungsfragen von Kapitel 1,2 und 4 dieses Lehrbuches beantworten und mit deinem Instruktor durchsprechen
  • Abschlusstest für Level I erfolgreich bestehen

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Nach Erreichen der Ausbildungsstufe Level I bist du berechtigt:

  • Nitrox mit einem maximalen Sauerstoffgehalt von 32 % (O2) für Tauchgänge mit einer maximalen Tauchtiefe von 30 Metern zu nutzen.
  • Die Tauchgangsplanung darf ausschließlich mit Lufttabellen oder einem Tauchcomputer im Luftmodus erfolgen.
  • In deine Tauchflasche Nitrox mit einem maximalen Sauer- stoffgehalt von 32 % (O2) füllen zu lassen.

Level II (Nitrox 40)

Der Level II-Kurs verbindet beide Vorteile von Nitrox. Je nach Tauchprofil kann die Sicherheit erhöht oder die Nullzeit verlängert werden. Der maximale Sauerstoffgehalt im Atemgas darf 40 % betragen. Für die Berechnung der Tauchtiefe wird ein maximaler PO2 (Partialdruck Sauerstoff) von 1,4 bar zu Grunde gelegt.

Um den Kurs mit Level II abzuschließen, sind folgende Punkte notwendig:

  • Sämtliche Kapitel dieses Lehrbuches durcharbeiten
  • Wiederholungsfragen von sämtlichen Kapiteln dieses Lehrbuches beantworten und mit deinem Instruktor durchsprechen
  • Abschlusstest für Level II erfolgreich bestehen

Nach Erreichen der Ausbildungsstufe Level II bist du berechtigt:

  • Nitrox mit einem maximalen Sauerstoffgehalt von 40 % (O2) für Tauchgänge mit einem maximalen Partialdruck Sauerstoff ( PO2) von 1,4 bar zu nutzen
  • In deine Tauchflasche Nitrox mit einem maximalen Sauer- stoffgehalt von 40 % (O2) füllen zu lassen
  • Die Tauchgangsplanung mit Hilfe von geprüften und anerkannten Nitroxtabellen oder einem Nitroxcomputer im Nitroxmodus durchzuführen

Kursaufbau

Der NSC Nitrox Kurs ist eine Kombination aus theoretischem Wissen und praktischen Übungen. Mit diesem Buch können zwei unterschiedliche Levelstufen erreicht werden. Obwohl keine Tauchgänge für beide Levelstufen notwendig sind, empfiehlt es sich, nach Abschluss des Level II-Kurses mindestens 2 Tauchgänge mit Nitrox durchzuführen, um das vermittelte Wissen zu festigen.

Den größten Teil der theoretischen Kenntnisse wirst du dir mit Hilfe dieses Lehrbuches im Selbststudium aneignen. Das von dir Erlernte wirst du mit deinem NSC-Instruktor durchsprechen, und dies gibt dir so die Gelegenheit noch offene Fragen zu klären. Zu Beginn eines Kapitels findest du Lernziele: Unterstreiche oder markiere dir die Antworten im folgenden Text. Das aktive Arbeiten mit diesem Buch erleichtert dir das Lernen und fördert dein Langzeitgedächtnis. Benutze auch die Möglichkeit dir nach jedem Kapitel schriftlich Notizen zu machen, um eventuelle Fragen an deinen NSC-Instruktor nicht zu vergessen.

Die Wiederholungsfragen am Ende eines jeden Kapitels ermöglichen dir eine eigene Beurteilung deiner erworbenen Kenntnisse und geben dir Aufschluss über Punkte, die du noch nicht verstanden hast. Deshalb fülle diese Wiederholungsfragen mit großer Sorgfalt aus, sie geben auch deinem Instruktor die Möglichkeit dich auf eventuelle Schwächen aufmerksam zu machen und dir zu helfen diese zu beheben.

Als letzter Schritt folgt dann der schriftliche Abschlusstest. Hier kannst du zeigen, dass du alles für diesen Kurs notwendige Wissen erlernt und verstanden hast. In den für diesen Kurs vorgeschlagenen praktischen Übungen lernst du eine Sauerstoffanalyse durch- zuführen, die Handhabung eines Füllbuches sowie eine Nitroxflasche richtig zu kennzeichnen und zu markieren.

Wurde der NSC-Kurs von dir erfolgreich abgeschlossen, erhältst du ein Brevet als NSC Nitrox-Diver Level I oder Level II.

Dieses ermöglicht dir Flaschenfüllungen mit Nitrox zu erhalten, Tauchgänge mit Nitrox zu planen und durchzuführen, die innerhalb der Grenzen der von dir verwendeten Nitroxmischung und deiner Levelstufe liegen.

Obwohl viele Fragen um das Thema Nitrox von diesem Buch beantwortet werden, ersetzt es keine Ausbildung und Brevetierung durch einen NSC-Instruktor. Ohne gültiges Brevet wird eine professionelle Füllstation dir keine Flasche mit einer Nitroxmischung vermieten oder verkaufen sowie das Tauchen mit Nitrox zulassen.

Kursvoraussetzung

Als Voraussetzung für die Teilnahme an einem NSC-Nitroxkurs zählen folgende Punkte:

  • Mindestalter für Level I ist 12 Jahre
  • Mindestalter für Level II ist 12 Jahre
  • Anerkanntes Sporttauchbrevet
  • Finden in der Ausbildung Freiwassertauchgänge statt, ist eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung notwendig.

Kapitel 1

Dieses Kapitel behandelt die Grundlagen von Nitrox. Obwohl Pressluft und Nitrox sich voneinander unterscheiden, wird dir jedoch einiges in diesem Kapitel bekannt vorkommen und dient zur Auffrischung deines vorhandenen Wissens. Neben der Zusammensetzung bei- der Gase wird hier noch einmal genau auf die Anwendung, die Geschichte und die Vorteile von Nitrox eingegangen.

 

Foto: Barbara Mehli-Schilling

Kapitel Ziele

  • Nenne die Zusammensetzung unserer Atmosphäre.
  • Was ist ein Partialdruck?
  • Aus welchen Bestandteilen setzt sich Nitrox zusammen?
  • Welches Gas hat Auswirkungen auf den so genannten Tiefenrausch?
  • Warum heißt Nitrox eigentlich Nitrox?
  • Wie lässt sich am einfachsten das Risiko einer DCS verringern?
  • Was ist der Unterschied zwischen Luft und Pressluft?
  • Wie heißen die beiden Standardgemische?
  • Wie sollte die Tauchgangsplanung aussehen, um die Sicherheit beim Tauchgang zu erhöhen?

Definition von Nitrox

Die Zusammensetzung unserer Atemluft

Als Atemluft bezeichnen wir das natürliche Gasgemisch unserer Atmosphäre. Sie besteht aus den gasförmigen Elementen Sauerstoff und Stickstoff sowie einem geringen Anteil anderer Gase. Obwohl Sauerstoff für uns eigentlich das wichtigste Gas innerhalb der Atmosphäre dar- stellt, ist es nur zu ca. 21 % in ihr enthalten. Stickstoff nimmt gut 78% ein, und 1 % teilen sich Gase wie Argon und Kohlendioxyd.

Was ist Nitrox?

Das Wort Nitrox setzt sich aus den englischen Bezeichnungen für Stickstoff (Nitrogen) und Sauerstoff (Oxygen) zusammen und besteht aus den gleichen Bestandteilen wie unsere Atemluft, nur die prozentuale Verteilung der Gase ist eine andere. Der Sauerstoffanteil wird bei Nitrox erhöht und dabei der Anteil Stickstoff reduziert. Obwohl man alle Gasgemische aus den Hauptbestandteilen Sauerstoff und Stickstoff als Nitrox bezeichnen kann, werden beim Sport- tauchen nur bestimmte eingesetzt. Im Sporttauchbereich wird der Sauerstoffgehalt auf maximal 40 % (O2) angehoben, wobei sich Nitroxgemische mit 32 % (O2) und 36 % (O2) als die Standardgemische durchgesetzt haben.

Um eine Nitroxmischung genau zu definieren, fügt man dem Wort Nitrox noch eine Zahl hinzu. Die Zahl gibt Aufschluss über den prozentualen Anteil des Sauerstoffes innerhalb dieser Gasmischung. Nitrox32 würde also bedeuten, dass es sich hierbei um eine Nitroxmischung mit 32 % Sauerstoff handelt. Im Laufe der Zeit haben sich noch andere Bezeichnungen für Nitrox etabliert. EANx, SafeAir, NOAAI oder NOAAII sind nur einige Namen, die heute für NITROX verwendet werden.

   Anwendung von Nitrox

In den letzten 15 Jahren hat sich das Sporttauchprofil extrem verändert. Als Tauchprofil versteht man die Zeit, die ein Taucher im Durchschnitt unter Wasser verbringt, sowie die Tiefe, die er dabei aufsucht.

Wurde früher noch sehr tief und verhältnismäßig kurz getaucht, hat sich heute mehr ein flaches aber längeres Tauchprofil durchgesetzt. Als gängiges Sporttauchprofil gilt heute 30 Meter Tauchtiefe bei einer Tauchzeit von ca. 60 min. Die meisten Tauchbasen weltweit folgen diesem Profil und bieten entsprechend ihre Tauchgänge so an. Gerade bei den heutigen Tauchprofilen kommen die Vorteile von Nitrox erst voll zur Geltung, da das Verhältnis Sauerstoff und Stickstoff optimal in dieses Profil passt. Ein Sauerstoffgehalt mit mehr als 40 % (O2) im Nitroxgemisch würde die Tauchtiefe stark einschränken sowie besondere Anforderungen an die Ausrüstung und Ausbildung stellen.

Nitrox mit einem Sauerstoffgehalt von mehr als 40 % findet heute Anwendung im technischen Tauchen und wird vorwiegend in der Dekompressionsphase veratmet, um durch den höheren Sauerstoffgehalt die erforderlichen Deko-Stopps zeitlich kürzer zu halten.

   Sauerstoff und Partialdruck

Sauerstoff

Sauerstoff ist verantwortlich für die zur Energiegewinnung notwendigen Verbrennungsprozesse. Alle Lebewesen (außer anaerobe Bakterien, z. B. Darmbakterien) benötigen ihn für ihren Stoffwechsel. Sauerstoff ist zu 21 % Bestandteil der Luft und wird von Pflanzen durch Reduktion von Kohlendioxid produziert. Der Sauerstoffgehalt ist immer konstant, ob wir am Strand spazieren gehen oder den Mount Everest besteigen.

Es mag verwunderlich erscheinen, dass der an sich lebensnotwendige und Leben spendende Sauerstoff unter bestimmten Voraussetzungen problematisch werden kann. Bei Veränderungen des Luftdrucks kommt es zu Störungen in unserem Organismus. Obwohl in großen Höhen die Luft denselben Sauerstoffgehalt von 21 % aufweist, bekommen wir Probleme mit unserer Atmung, Probleme, die gerade Bergsteiger, die sich in Höhen von 5000 Metern und mehr bewegen, sehr gut kennen: Es entsteht eine Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie).

Verantwortlich dafür ist eine Veränderung des Luftdrucks: Die Luft wird „dünner“.

Durch die Schwerkraft der Erde übt die Masse der Luft einen Druck aus, der als Luftdruck bezeichnet wird. Das Gewicht der Luft unserer Atmosphäre erzeugt einen bestimmten Luftdruck auf der Erdoberfläche. Über jedem Quadratmeter Erdoberfläche befinden sich ca. 10.000 kg Luft, die unter der Wirkung der Schwerkraft Druck ausüben. Dieser Luftdruck wird auch atmosphärischer Luftdruck genannt. Je mehr Luft sich über einer Fläche befindet, desto höher ist dieser. In Meereshöhe herrscht ein Druck von etwa 1 bar, der sich mit Höhenzunahme reduziert. In ca. 5000 m beträgt der Druck lediglich noch 0,5 bar.

Aber warum kommt es zu Atmungsproblemen?

Partialdruck

Verantwortlich dafür, ob wir normal atmen können, hängt nicht nur von dem prozentualen Sauerstoffgehalt ab, sondern auch von dem Druck, der auf das Gas Sauerstoff während der Atmung einwirkt. Unsere Atmungsprozesse reagieren nicht nur auf Prozentanteile eines Gases, wie Sauerstoff oder Stickstoff, sondern auch auf den Druck des einzelnen Gases.

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Jedes Gas innerhalb einer Gasmischung übt einen eigenen Druck aus, diesen Druck nennt man Partialdruck. Die Berechnung des Partialdruckes für ein Gas beruht auf dem folgenden Gesetz von Dalton: Wenden wir die gleiche Formel in 5000 Meter Höhe an, kommen wir zu folgendem Ergebnis:

Der Druck eines Gasgemisches errechnet sich aus der Summe der Drücke seiner Teilgase (genannt Teildruck oder Einzeldruck oder Partialdruck). Die einzelnen Partialdrücke ergeben somit den Gesamtdruck.

Wenn wir das Gesetz von Dalton auf unsere Atemluft anwenden, ergibt sich folgende Rechnung:

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Partialdruck von Sauerstoff in Atemluft in Meereshöhe wird wie folgt berechnet:
1 bar x 21 % = 0,21 bar Sauerstoffpartialdruck

Wenden wir die gleiche Formel in 5000 Meter Höhe an, kommen wir zu folgendem Ergebnis:

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Der Partialdruck von Sauerstoff in Atemluft in 5000 m Höhe wird wie folgt berechnet:
0,5 bar x 21 % = 0,105 bar Sauerstoffpartialdruck

Vorteile von Nitrox

Warum soll Nitrox bevorzugt als Tauchgas eingesetzt werden?

Beim Tauchen mit Nitrox entstehen erhebliche Vorteile für den Taucher. Insbesondere dann, wenn die Tauchgangsplanung mit Hilfe von Lufttabellen oder Tauchcomputern im Luftmodus durch- geführt wird. Dies erhöht die Sicherheit besonders bei Non-Limit Diving und langen Wiederholungstauchgängen.

Tauchen ist zu einer sehr sicheren Sportaktivität geworden, die Hauptprobleme, die wir aber immer wieder beim Tauchen antreffen, sind der Tiefenrausch und die Dekompressionskrankheit. Beide Erkrankungen stehen in direkter Verbindung zum Gas Stickstoff.

Stickstoff ist ein Gas, das wir mit jedem Atemzug ein- und ausatmen. Es ist also völlig ungiftig, bei Zimmertemperatur ein farb- und geruchloses Gas, welches eine geringfügig kleinere Dichte als Luft besitzt. Es bildet zweiatomige Moleküle (N2). Stickstoff ist Hauptbestandteil der Luft, die etwa 79 % freien Stickstoff enthält. In gebundenem Zustand kommt er in Form von Nitraten im Erdboden vor und bildet mächtige Salpeterlager. Stickstoff ist ein wichtiger Bestandteil des pflanzlichen und tierischen Eiweißes. Der Name Nitrogenium wurde aus dem griechischen Wort nitros („Salpeter“) und gennáo („bilden“) zusammengesetzt und bedeutet „Salpeterbildner“.

Bei der Verwendung von Luft oder Nitrox als Atemgas bestimmt der Anteil Stickstoff in der Tauchflasche die Tiefengrenze sowie die Zeit (Nullzeit), die wir in einer Tiefe verweilen können.

Stickstoffnarkose Tiefenrausch

Der Stickstoff (N2) unserer Atemluft kann ab einem Stick- stoffpartialdruck (PN2) zwischen 3,2 und 4,0 bar, entsprechend

Diese Tabelle veranschaulicht den Partialdruck von Stickstoff bei Pressluft

einer Tauchtiefe zwischen 30 und 40 Metern, narkotisierend auf das zentrale Nervensystem (ZNS) einwirken. In Taucherkreisen ist dieses Phänomen als Tiefenrausch, Stickstoffnarkose, aber auch unter dem Namen Inertgasvergiftung bekannt. Als Inertgase wer- den Gase bezeichnet, die nicht an biochemischen Prozessen im Organismus teilnehmen. Zu den Inertgasen gehören zum Beispiel Stickstoff, Kohlenstoffdioxid und sämtliche Edelgase (Helium, Argon, Neon, Krypton, Radon, Xenon).

Der Tiefenrausch oder die Stickstoffnarkose ist bis heute relativ wenig erforscht. Während die Rolle des Stickstoffs bei der Entstehung der Dekompressionskrankheit relativ früh erkannt wurde, war seine Bedeutung für den Tiefenrausch lange verborgen.

Diese Tabelle veranschaulicht den Partialdruck von Stickstoff bei Nitrox36

Der Hauptfaktor scheint der hohe Partialdruck von Stickstoff zu sein. Unter hohem Druck löst sich Stickstoff fünf mal schneller ins Fettgewebe als unter Normalbedingungen. Dies kann das zentrale Nervensystem so beeinträchtigen wie es Alkohol oder gewisse Drogen tun können. Oft ist dieser Zustand an dem Betroffenen gar nicht wahrnehmbar und somit für den Tauchpartner nicht sofort ersichtlich. Tiefenrausch führt zu Orientierungslosigkeit, Schwierigkeiten in der motorischen Koordination und kann euphorische Zustände hervorrufen. Die unmotivierte Euphorie wird von Angstgefühlen und Koordinationsproblemen begleitet, es kann zu optischen Sinnestäuschungen, wie z.B. Tunnelblick und Farbsehen, oder dem Wahrnehmen abnormaler Geräusche wie unkontrolliertem Gelächter oder Hysterie kommen. Das Ausmaß der Symptome ist von der jeweiligen Tauchtiefe und von der Verfassung des Tauchers abhängig. Der Einfluss der Stickstoffnarkose kann von Taucher zu Taucher stark variieren. Verschiedene Umstände, wie z. B. Kälte, Anstrengung, Müdigkeit, Restalkohol, die psychische Verfassung des Tauchers, können diese Wirkung begünstigen oder auch verstärken. Generell setzt der Tiefenrausch ab ca. 30 Metern ein und verstärkt sich mit zunehmender Tiefe. Die Stickstoffnarkose ist insofern gefährlich, als sie das Urteilsvermögen des Tauchers stark beeinträchtigt, die Konzentrationsfähigkeit wie auch die Entschlussfähigkeit extrem eingrenzt. Dies kann zu unlogischem Handeln führen und unter Umständen tödlich enden.

Dekompressionserkrankung

Als der Tauchunfall schlechthin gilt der Dekompressionsunfall als Folge einer Stickstoffübersättigung der Gewebe. Der Überbegriff Dekompressionserkrankung umfasst die Schäden, die durch Gasblasenbildung von überschüssigem Stickstoff und embolische Verschlüsse nach einem zentralen Lungenriss (arterielle Gasembolie, AGE) entstehen. Für die Dekompressionserkrankung - oder auch nur Deko- Erkrankung genannt - existieren mehrere Begriffe wie Caisson- Krankheit, Taucherkrankheit oder Bläschenkrankheit bzw. amerikanisch „Decompression illness“ (DCI).

Die Bezeichnung Caissonkrankheit (Kastenkrankheit) kommt von den Senkkästen, die ab 1890 vermehrt zur Herstellung von Brückenpfeilern eingesetzt wurden. Im Gegensatz zu den bis dahin üblichen Taucherglocken ermöglichten diese eine wesentlich längere Arbeitszeit, die in der Folge zu einem sprunghaften Ansteigen der Dekompressionserkrankungen führte.

Der hohe Anteil Stickstoff und dessen Atmung unter erhöhtem Druck ist verantwortlich für die Entstehung einer Dekompressionserkrankung. Beim Tauchen wird durch den erhöhten Umgebungsdruck und den damit verbundenen Anstieg des Stickstoffpartialdrucks mehr Stickstoff über die Atmung und den Blutkreislauf im Gewebe gelöst. Der Sauerstoff wird vom Körper verbraucht, der Stickstoff jedoch verbleibt im Gewebe. Dabei löst sich beispielsweise in fetthaltigem Gewebe 3 - 4-mal soviel Stickstoff wie im Blut. Je tiefer man taucht, umso mehr Stickstoff wird gelöst. Dabei kann jede Substanz (Gewebe, Blut) in Abhängigkeit von der Temperatur und dem Druck eine ganz bestimmte Menge Stickstoff aufnehmen. Die maximal aufnehmbare Menge wird als Sättigungsmenge bezeichnet.

Beim Auftauchen geht der im Gewebe gebundene Stickstoff wie- der ins Blut über, wird zur Lunge transportiert und abgeatmet. Ist die Menge des gelösten Stickstoffes aber zu groß oder die Druckabnahme erfolgt zu schnell, sammelt sich zu viel Stickstoff in den ableitenden Bahnen an und kann zu größeren Stick- stoffblasen im Blutsystem oder Gewebe werden. Bildet Stickstoff im Blut oder im Gewebe Blasen aus, kann es je nach Größe der Blasen zu einem Verschluss der Kapillaren und zum Absterben des dahinter liegenden Gewebes kommen. In den Gelenken können Gasbläschen den Knorpel schädigen. 

In leichten Fällen kommt es dann zu den so genannten Taucher- flöhen, das heißt, man spürt ein Jucken unter der Haut, in schweren Fällen kommt es zu Lähmungserscheinungen und anderen neurologischen Ausfällen, wenn die Gasbläschen ihren Weg ins Zentralnervensystem gefunden haben. Bei allen Tauchgängen sind die Aufstiegsgeschwindigkeiten sowie die Dekompressionsregeln zu beachten. In den Fällen, in denen es trotz Einhaltung dieser Regeln zu akuten DCI-Symptomen kam, lag meist ein oder mehrere der folgenden Risikofaktoren vor:

 

Akute Infekte der oberen Luftwege, starkes Rauchen, akute Durchfallerkrankungen, Fieber, Alkohol, Drogen, Atriumseptumdefekt (ein Loch in der Herzscheidewand zwischen den Herzvorhöfen), eine häufig vorkommende, aber oft unbemerkte Herzkrankheit (Vorkommen bei ca. 10-20 % der Menschen), Diabetes, höheres Alter, Fettleibigkeit, Dehydration, aber auch Faktoren wie Kälte und körperliche Anstrengung spielen ebenso eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Stickstoff während des Tauchgangs.

Die ersten Symptome der Stickstoffausperlung, also der Caissonkrankheit bzw. Dekompressionskrankheit, können inner- halb von Minuten, in seltenen Fällen aber auch erst nach mehreren Stunden auftreten. Dabei kann es zu leichten Symptomen bis hin zum Tod kommen.

Im Einzelnen können folgende Symptome auftreten:

  • Hautjucken wie Ameisenlaufen Allgemeines Unwohlsein
  • Extreme Müdigkeit, Abgeschlagensein Rückenschmerzen
  • Schmerzen in den Extremitäten und Gelenken Taubheitsgefühle
  • Seh- und Hörstörungen Sprachstörungen Halbseitenlähmungen Querschnittslähmungen
  • Lungenarterienembolie Herzbeschwerden

Erste Hilfe

  • Gabe von reinem Sauerstoff (wichtigste Maßnahme)
  • Bei Bewusstlosigkeit die üblichen Maßnahmen (Seitenlage, ständige Beobachtung unter Kontrolle von Puls, Atmung, Blutdruck)
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Atemstillstand und/ oder Herzstillstand. Beatmung unter Verwendung von reinem Sauerstoff
  • Kälteschutz
  • Seitenlage (Schocklage ist nicht zu empfehlen, da so der bereits erhöhte Hirndruck nochmals steigt)
  • Bei Bewusstsein Flüssigkeitszufuhr (durch Arzt Infusionsbehandlung)
  • Druckkammerbehandlung mit hyperbaren Sauerstoff

Der Einsatz von Nitrox mit einem geringeren Anteil an Stickstoff anstelle von Pressluft bei gleichen Tauchprofilen reduziert die Aufnahme von Stickstoff bei jedem Tauchgang erheblich.

Um die Sicherheit bei einem Tauchgang mit Nitrox zu erhöhen, sollten wir die Nullzeit für den Tauchgang mit herkömmlichen Lufttabellen oder einem Tauchcomputer planen und überwachen.

Als Beispiel planen wir einen Tauchgang mit Pressluft auf eine Tiefe von 24 Metern. Die Nullzeit auf dieser Tiefe beträgt rund 32 Minuten. Verwenden wir jetzt anstelle von Pressluft ein Nitrox-Gemisch mit einen Sauerstoff-Anteil von 36 % für die gleiche Tiefe, würde sich die Nullzeit fast verdoppeln. Da wir zwar Nitrox36 verwenden, aber die Tauchgangsplanung für die Nullzeit mit einer Lufttabelle oder einem Luftcomputer errechnen, verringert sich die Stickstoffbelastung für unseren Körper fast um die Hälfte. Die Wahrscheinlichkeit einer Dekompressionserkrankung wird auf ein Minimum reduziert.

Würden wir aber den gleichen Tauchgang mit Nitroxtabellen oder Nitroxcomputer planen, hätten wir die Vorteile der Nullzeit- Verlängerung, aber die Belastung durch Stickstoff wäre für unseren Körper gleich hoch.

Die unten stehende Tabelle zeigt die unterschiedlichen Nullzeiten bei der Verwendung von Luft, Nitrox32 und Nitrox36.

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Dekompressionserkrankungen werden in 3 verschiedene Typen unterteilt:

Dekompressionskrankheit Typ I
Bei einer Dekompressionskrankheit vom Typ I lagern sich die Blasen in der Haut, der Muskulatur, den Knochen oder den Gelenken an. Sie verursachen dort Juckreiz (Taucherflöhe), Druckempfindlichkeit der Muskeln, Gelenkschmerzen und Bewegungseinschränkungen (Bends). Diese Symptome treten in 70 % der Fälle innerhalb der ersten Stunde nach dem Tauchgang auf, teilweise wurden aber auch noch Symptome 24 Stunden nach dem Tauchgang beschrieben.

Dekompressionskrankheit Typ II

Bei einer Dekompressionskrankheit vom Typ II lagern sich die Blasen im Gehirn, dem Innenohr oder dem Rückenmark ab. Ebenfalls werden Verschlüsse der Blutgefäße durch Gasblasen (Embolien) hier eingeordnet.

Dekompressionskrankheit Typ III

Langzeitschäden bei Tauchern werden unter Typ III zusammen- gefasst. Als Berufskrankheit anerkannt sind bisher die aseptischeKnochennekrose, Hörschädigungen, Netzhautschäden sowie neurologische Folgeschäden nicht behobener DCS Typ II.

Vorteile von Nitrox gegenüber Pressluft:

Der Vorteil bei der Verwendung von Nitrox beruht auf dem geringeren Anteil Stickstoff im Atemgas. Dadurch ergibt sich bei gleicher Tauchtiefe ein viel geringerer Stickstoffpartialdruck als im Vergleich zu Pressluft. Bei gleichem Tauchprofil wie mit Luft kommt es zu einer geringeren Stickstoffbelastung.

  • Durch die geringere Stickstoffbelastung besteht eine geringere Gefahr der Bläschenbildung bei Aufstiegen
  • Mehr Sicherheit bei Mehrfachaufstiegen hintereinander, zum Beispiel bei Tauchlehrern und Schülern während Übungstauchgängen, wie z. B. dem kontrollierten Notaufstieg
  • Bei Tauchgängen im kalten Gewässer mehr Sicherheit durch geringere Stickstoffbelastung
  • Durch den verringerten Stickstoffanteil kommt es zu kürzeren Dekompressionszeiten bzw. längeren Nullzeiten als bei gleichen Tauchgangsprofilen mit Luft
  • Tauchgänge mit Nitrox ermüden den Taucher wesentlich weniger als Tauchgänge mit Pressluft
  • Durch den erheblichen Sicherheitsgewinn beim Nitrox- tauchen ist der Einsatz von Nitrox prinzipiell immer sinn- voller als die Verwendung von Pressluft
  • Schon allein diese Auflistung der Vorteile sollte Anlass und Grund genug sein, dass sich der verantwortungsbewusste Sporttaucher mit dem Thema Nitrox intensiv beschäftigt und die Weiterbildung zum Nitroxtaucher anstrebt.
  • Es bestehen keine Zweifel daran, dass das Tauchen mit Nitrox wegen der zahlreichen Vorteile zukünftig eine weitere
  • Verbreitung im Bereich des Sporttauchens erfährt und so welt- weit zum Standardgas auf allen Tauchbasen wird.

   Die Geschichte von Nitrox

Nitrox hat eine lange und festbegründete Geschichte und ist keine Modeerscheinung unserer Zeit. Lange bevor die ersten Tauchgänge mit Pressluft unternommen wurden, war Nitrox das Atemgas der Tauchpioniere. Und bevor die Tauchpioniere Nitrox als Atemgas benutzten, wurde das Atmen von Nitrox (sauer- stoffangereicherter Luft) als medizinische Behandlung eingeführt.

Aber erst die Entdeckung von Sauerstoff machte alles möglich.

Sauerstoff wurde im Jahre 1771/1772 von dem schwedischen Chemiker Carl Wilhelm Scheele erstmals durch das Erhitzen von Braunstein (Mangandioxid) mit konzentrierter Schwefelsäure her- gestellt. Da das entstandene Gas Verbrennungen förderte, nannte es Scheele zuerst „Feuerluft“. Die Mitwirkung des Sauerstoffs bei Oxidationen, bei Atmungsvorgängen und dass Sauerstoff lebenswichtig ist, wurde von dem französischen Chemiker Antoine Lavoisier im Jahre 1775 dokumentiert.

1878 veröffentlichte Paul Bert die Ergebnisse von über 600 Experimenten über die Verwendung von Nitrox. Ballonfahrer wurden mit Nitroxgemischen von 40 bis 70 % O2 als ,,Höhen-Atmungs-Mischung" versorgt. Paul Bert erkannte auch, dass durch die Verwendung von Sauerstoff die Dekompressionszeiten beim Tauchen verkürzt werden können.

Es folgten Jahre der Tauchforschung. Zur damaligen Zeit wurden fast alle Tauchversuche mit kreislaufähnlichen Geräten durchgeführt, doch die damaligen Geräte hatten mit unseren heutigen nicht viel gemeinsam. Das verwendete Gas war aber wie heute Nitrox!

Machen wir ein Sprung in die frühere Geschichte.

Da das Tauchen mit Nitrox sich aus dem militärischen Bereich entwickelt hat (in erster Linie seit Ende der 50er Jahre bei der US-Navy), sind die Fachterminologie und die dazugehörenden Abkürzungen aus dem englischen Sprachraum übernommen worden.

1957 beginnt die kommerzielle Nutzung von Nitrox. Bei professionellen Tauchgängen wird ein Nitroxgemisch 50/50 verwendet und bis heute werden verschiedene Nitroxgemische im Berufs- tauchen eingesetzt.

1959 beginnt die amerikanische Marine mit der Verwendung von Nitroxgemischen anstelle von 100 % Sauerstoff. So kann die maximale Tauchtiefe, die durch die Verwendung von Sauerstoff stark eingeschränkt ist, erhöht werden. In den folgenden Jahren etabliert sich Nitrox als ideales Gasgemisch in der US-Navy und wird auch in ihren offenen Systemen verwendet.

1970 wurde durch die NOAA (National Oceanographic and Atmospheric Administration) die Entwicklung und Erforschung von Nitrox vorangetrieben. Es wurde mit Nitrox als Atemgas zum Tauchen experimentiert. Aus der Erkenntnis von vielen Tausenden von Tauchgängen konzentrierte sich die NOAA auf 2 Nitroxgemische, NOAA I (Nitrox32) und NOAA II (Nitrox36). NOAAs Arbeit fand große Anerkennung, und sie veröffentlichten Dekompressionstabellen für diese Nitroxgemische. Heute haben sich diese Gemische als Standardgemische etabliert.

ab 1980 werden die ersten Nitrox-Tauchcomputer auf den Markt gebracht.

1985 wird durch einen früheren Mitarbeiter der NOAA die IANTD (International Association of Nitrox and Technical Divers) gegründet. Im Nitroxtauchen werden auch Sporttaucher unterrichtet.

1987 wird ANDI (American Nitrox Divers International) gegründet mit dem Ziel, die Verwendung von Nitrox und die entsprechende Ausbildung von Sporttauchern zu standardisieren.

1999 gründet sich die Tauchorganisation NRC und legt somit den Grundstein für das moderne Nitroxtauchen.

Fazit: Wie uns die Geschichte zeigt, handelt es sich bei Nitrox um ein Gasgemisch, das besonders von der Medizin sehr lange und vor allem sehr gut erforscht worden ist. Kein Gas ist so gut erforscht worden wie Sauerstoff und seine Anwendungsmöglichkeiten. Diese Erforschungen machen wir uns zu Nutze und erkennen die positiven Eigenschaften, um noch sicherer unseren Sport ausüben zu können. Es wäre also eine Verschwendung, würden wir als Taucher dieses ideale Gasgemisch Nitrox nur dafür verwenden, um die Dekompressionszeiten zu verkürzen.


Wiederholungsfragen Kapitel 1

Arbeite alle Fragen mit Hilfe von Kapitel 1 durch.

Falls bei den vorgegebenen Fragen oder Antworten Unklarheiten entstehen, arbeite das Kapitel noch einmal mit deinem NSC-Instruktor durch.

Wie hoch ist der Sauerstoffanteil bei der Verwendung von Nitrox32?

a. 32 %
b. 23 %
c. 21 %
d. 36 %

Luft bezeichnet umgangssprachlich das Gasgemisch der Erdatmosphäre und besteht hauptsächlich aus den zwei Gasen Stickstoff (78 %) und Sauerstoff (21 %).

Richtig
Falsch

Wie hoch ist der Sauerstoffpartialdruck auf Meereshöhe?

a. 0,31 bar
b. 1 bar
c. 0,21 bar
d. 0,79 bar

Ab welchem Stickstoffpartialdruck muss der Taucher mit den ersten Symptomen eines Tiefenrauschs rechnen?

a. 2,8 bar
b. 3,2 bar
c. 1,6 bar
d. 4,0 bar

Die Ausbildung zum NSC-Nitroxtaucher Level II berechtigt dich, Nitroxgemische bis maximal 40 % zu benutzen.

Richtig
Falsch

Aus welchen Worten setzt sich Nitrox zusammen?

a. Sauerstoff/ Edelgasse
b. Sauerstoff/ Stickstoff
c. Luft/Stickstoff
d. Stickstoff/ Sauerstoff

Nitroxgemische mit 32 % und 36 % Sauerstoff haben sich als Standardgemische durchgesetzt.

Richtig
Falsch

„Nitrox“ ist ein Luftgemisch mit mehr als 21 % Sauerstoff.

Richtig
Falsch

Mit welchen Hilfsmitteln sollen Tauchgänge geplant werden, wenn es um die Erhöhung der Sicherheit geht?

a. Nitroxcomputer/ Nitroxtabellen
b. Luftcomputer/ Lufttabelle

Es gibt 3 Typen von Dekompressionserkrankungen?

Richtig
Falsch

Kapitel 2

Dieses Kapitel beinhaltet das Gas Sauerstoff. Das Gas Sauerstoff spielt beim Tauchen mit Nitrox eine große Rolle. Beim Tauchen mit normaler Atemluft und mit der Einhaltung der vorgegebenen Tiefen- grenzen spielt Sauerstoff keine bedeutende Rolle, so hast du während deiner Ausbildung zum Taucher mehr über Stickstoff und seinen Partialdruck erfahren. Dieses Kapitel dient dazu, mehr über das Gas Sauerstoff zu erfahren, sein Vorkommen und seine Wirkungsweise. Als Nitroxtaucher musst du den Sauerstoffgehalt in deiner Nitroxflasche genau kennen, um so deine Tauchgänge sicher planen zu können.

 

Foto: Reimund van Eeden

Kapitel Ziele

  • Eigenschaften von Sauerstoff
  • Was wird als Hyperoxie bezeichnet?
  • Was versteht man unter Oxydation?
  • Was ist der Unterschied zwischen dem „Lorrain-Smith- Effekt“ und dem „Paul-Bert-Effekt"?
  • Warum heißt Nitrox eigentlich Nitrox?
  • Wie lautet der maximale P02 im Sporttauchen?
  • Wo liegt die Grenze von Sauerstoff?

    Das Gas Sauerstoff und seine Grenzen

Sauerstoff, entdeckt im frühen 17. Jhdt. durch den Schweden Carl Wilhelm Scheele sowie dem Engländer Joseph Pristley, ist auf der Erde das häufigste chemische Element. Sauerstoff ist in zahlreichen Mineralien und Gesteinstypen enthalten, aus denen ganze Gebirgsketten aufgebaut sind. Auch biologische Organismen bestehen größtenteils aus Sauerstoff. Über 60 % des menschlichen Körpers besteht nur aus diesem Element. In unserer Atemluft ist das für uns Menschen und Tieren lebensnotwendige Gas zu ca. 21 Volumenprozent enthalten. 
Dies macht deutlich, dass der Sauerstoffkreislauf einer der grundlegendsten ökologischen Zyklen auf der Erde ist. Allein durch Photosynthese wird jährlich eine Sauerstoffmenge von 300 Reaktion mit Sauerstoff nennt man Oxidation. Unsere Atmung oder auch das Rosten von Metallen sind chemische Prozesse, bei denen Sauerstoff zum Einsatz kommt.

(In unserem täglichen Leben können wir die Auswirkungen von Sauerstoff beobachten,
z. B. in der Natur)

Das farb-, geruch- und geschmacklose Gas Sauerstoff ist im Gegensatz zu Stickstoff extrem reaktionsfreudig. Eine Reaktion mit Sauerstoff nennt man Oxidation. Unsere Atmung oder auch das Rosten von Metallen sind chemische Prozesse, bei denen Sauerstoff zum Einsatz kommt.

Sauerstoff wird neben medizinischen Anwendungen auch sehr vielfältig in der Industrie eingesetzt. In der Verbindung mit Wasserstoff oder Acetylen benutzt man ihn zur Erzielung hoher Verbrennungstemperaturen, die dann für das autogene Schweißen oder zum Schmelzen von Metallen verwendet werden. In der Raketentechnik dient flüssiger Sauerstoff als Oxidator für den Treibstoff. Jährlich werden weltweit 100 Mio. Tonnen Sauerstoff für industrielle Zwecke gewonnen.

                                                                   (Verwendung von Sauerstoff als Raketentreibstoff)

Die Grenzen von Sauerstoff

Wie schon bei Stickstoff spielt auch hier der Partialdruck eine wichtige Rolle. Unter atmosphärischen Bedingungen atmen wir Sauerstoff bei einem Umgebungsdruck von ca. 1 bar ein, der Partialdruck von Sauerstoff entspricht dann ca. 0,21 bar. Dieser Partialdruck, kurz PO2 genannt, wird von unserem Körper als normal empfunden.

Eine Erhöhung sowie Verringerung dieses Partialdruckes kann unter- schiedliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben.

Da der Umgebungsdruck mit zunehmender Tauchtiefe ansteigt, steigt auch der vom Taucher eingeatmete PO2 an. Es ist wichtig, die festgelegten PO2 Grenzen für den Menschen zu kennen und diese einzuhalten. Die nachfolgende Tabelle gibt dir einen Überblick über die Grenzen von Sauerstoff.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox4.jpg

1,4 bar PO2 zählt als sichere Grenze für das Sporttauchen.

 

Wie du der Tabelle entnehmen kannst, hat man die maximale PO2 -Grenze auf 1,4 bar festgelegt. Für sämtliche Tauchgangsberechnungen zählt dieser Partialdruck. Verwende also niemals einen höheren PO2 als 1,4 bar!

 

Neben dem eigentlichen Partialdruck spielt auch dessen Einwirkungszeit auf den menschlichen Körper eine entscheidende Rolle. Beide Faktoren, PO2 und Einwirkungszeit, stehen im direkten Verhältnis zueinander. Als Einwirkungszeit versteht man, wie lange der Körper mit einem bestimmten PO2 belastet wird. Mit zunehmendem PO2 nimmt die Einwirkungszeit ab. Die maximalen Einwirkungszeiten lernst du noch im Kapitel 3 kennen.

 

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox5.jpg

Sauerstoffvergiftung (Hyperoxie)

Die Problematik des erhöhten Sauerstoffpartialdruckes soll hier nicht verharmlost werden, sondern verdeutlichen, welche Auswirkungen sie auf uns Taucher haben kann.

Als Hyperoxie versteht man im Allgemeinen eine Schädigung des menschlichen Körpers bei Überschreitung des zulässigen PO2 oder dessen Einwirkungszeit.

Man unterscheidet verschiedene Arten einer Hyperoxie, die bekanntesten sind:

  1. Vergiftung des zentralen Nervensystems - diese Art der Hyperoxie (Sauerstoffvergiftung) nennt man auch Paul-Bert-Effekt oder neurotoxischer Effekt. Bei dieser Hyperoxie spielt weniger die Einwirkungszeit eine Rolle als vielmehr der Partialdruck von Sauerstoff.
  2. Ganzkörpersauerstoffvergiftung - diese Art der Hyperoxie nennt man auch Lorrain-Smith-Effekt oder lungentoxischer Effekt. Hier spielt weniger der Partialdruck von Sauerstoff eine Rolle, der nur geringfügig erhöht ist, ausschlaggebend ist hier mehr die Einwirkungszeit.

Nur im Berufstauchen spielt die Ganzkörpersauerstoffvergiftung eine Rolle

 

 

 

Bei Behandlungen in einer Druckkammer ist die Sauerstoffdosis sehr hoch. Sie sollte nicht als Richtwert für die Planung von Tauchgängen genommen werden.

 

Paul-Bert-Effekt

Bei Sauerstoff-Teildrücken oberhalb von 1,6 bar kann es innerhalb kurzer Zeit zu einer Vergiftung des zentralen Nervensystems (ZNS-Vergiftung) kommen. Der erhöhte Sauerstoffpartialdruck wirkt sich offenbar in erster Linie auf die empfindlichen Nervenzellen aus. Es kommt dabei zu einer Salve von Entladungen unkoordinierter Nervenimpulse an die Muskulatur. Diese Erscheinungen reichen von Muskelzuckungen bis zu epilepsieartigen Anfällen. Symptome können dem eines Tiefenrausches sehr ähnlich sein:

  • Augenflimmern
  • Übelkeit
  • Muskelzuckungen
  • Sauerstoffkrämpfe (Epilepsie ähnliche Anfälle)
  • Bewusstlosigkeit

Diese Symptome können ohne Vorwarnung auftreten und sind individuell verschieden. Vermehrte körperliche Arbeit unter Wasser, erhöhter Kohlendioxidwert im Atemgas, Kälte sowie unzureichende Oberflächenpausen können Faktoren sein, die eine Sauerstoffvergiftung begünstigen. Werden bei einem Taucher Anzeichen einer Sauerstoffvergiftung bemerkt, so muss er sofort unter normalen Sauerstoffteildruck gebracht werden. Über Wasser, z. B. in einer Druckkammer, sind die Symptome der Hyperoxie relativ harmlos und klingen nach Normalisierung des Druckes wie- der ohne Nachwirkungen ab. Unter Wasser kann ein Krampfanfall hingegen zu dem Verlust des Atemreglers und somit zum Ertrinken führen.

Zur Vermeidung einer ZNS-Vergiftung sollte der Sporttaucher immer die maximale Tauchtiefe für ein bestimmtes Sauerstoffgemisch beachten. Siehe hierzu den Abschnitt

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox6.jpg

Lorrain-Smith-Effekt

Wird Sauerstoff mit einem erhöhten Partialdruck von 0,4 bis 0,6 bar über einen langen Zeitraum eingeatmet, spricht man von einer Ganzkörpersauerstoffvergiftung, dem Lorrain-Smith-Effekt. Bis zum Auftreten der ersten Symptome vergehen in der Regel zwischen 24 und 48 Stunden. Durch diese sehr langen Einwirkungszeiten spielt diese Art der Sauerstoffvergiftung für das Sporttauchen eine untergeordnete Rolle. Bekannt ist diese Art der Hyperoxie aus einem Bereich des Berufstauchens, dem Sättigungstauchen. Die sehr lange Einwirkung von Sauerstoff führt zu einer Verdickung und anschließendem Zusammenfall der Alveolen (Lungenbläschen). Dadurch wird der Sauerstoffübertritt bei der Atmung so erschwert, dass es zu einem Sauerstoffmangel kommt. Die Ursache: Sauerstoff- Radikale können die Lipid-Proteinschicht (surface active agent= Surfactant) auf der Innenseite der Alveolen der Lunge schädigen oder sogar zerstören. Fehlt diese Schicht, so kommt es zu einem „Verkleben“ der Alveolen. Dies führt dann schlussendlich zu asthmatischen Beschwerden und zu einer Anhäufung von Atemwegserkrankungen (Bronchitis) durch eine schlechter belüftete Lunge.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox7.jpg

Symptome:

  • Engegefühl unter dem Brustbein
  • Schmerzen in den Bronchien
  • Atemnot
  • Unbeherrschbarer Hustenreiz

Um eine Sauerstoffvergiftung zu vermeiden, sollte in erster Linie der kritische Grenzwert des Sauerstoffpartialdruckes beobachtet werden. Ein Partialdruck von 1,4 bar, der als sichere Grenze gilt, sollte als Maximalwert für alle Tauchgangsberechnungen nicht überschritten werden. Die daraus resultierende Tiefengrenze (MOD) sollte beim Tauchgang eingehalten werden.

Foto: Barbara Mehli-Schilling  

   Wiederholungsfragen Kapitel 2

Arbeite alle Fragen mit Hilfe von Kapitel 2 durch.

Falls bei den vorgegebenen Fragen oder Antworten Unklarheiten entstehen, arbeite das Kapitel noch einmal mit deinem NSC-Instruktor durch.

Was bedeutet der Ausdruck Hyperoxie?

a. Sauerstoffüberversorgung
b. Sauerstoffmangel
c. Stickstoffnarkose
d. Kohlendioxidvergiftung

Was versteht man unter dem Lorrain-Smith-Effekt?

a. Ganzkörpersauerstoffvergiftung
b. Sauerstoffvergiftung des zentralen Nervensystems
c. Kohlendioxidvergiftung
d. Tiefenrausch

Was versteht man unter dem Paul-Bert-Effekt?

a. Ganzkörpersauerstoffvergiftung
b. Sauerstoffvergiftung des zentralen Nervensystems
c. Kohlendioxidvergiftung
d. Tiefenrausch

Sauerstoff ist ein farb-, geruch- und geschmackloses, für den Menschen lebensnotwendiges Gas, das mit ca. 21 Volumenprozent in der Luft enthalten ist und selbst nicht brennbar ist.

Richtig
Falsch

Wie hoch ist der maximale PO2, der als sichere Grenze für das Sporttauchen gilt?

a. 1,01 bar
b. 0,32 bar
c. 1,60 bar
d. 1,40 bar

Ein Partialdruck von 1,4 bar, der als sichere Grenze gilt, sollte als Grenzwert für all Tauchgangsberechnungen nicht überschritten werden.

Richtig
Falsch

Vermehrte körperliche Arbeit und Kälte unter Wasser können Faktoren sein, die eine Sauerstoffvergiftung begünstigen.

Richtig
Falsch

Dekompressionserkrankungen werden in 3 verschiedene Typen unterteilt.

Richtig
Falsch

Wie hoch ist der PO2, der als maximale Grenze für das Sporttauchen gilt?

a. 1,01bar
b. 0,32 bar
c. 1,60 bar
d. 1,40 bar

   Kapitel 3

Dieses Kapitel behandelt die verschiedenen Möglichkeiten der Tauchgangsplanung mit Nitrox, sie umfasst die Parameter Tauchtiefe und Tauchzeit. Im Gegensatz zu Pressluft kann die maximale Tauchtiefe je nach Nitroxmischung nicht nur vom Stickstoff sondern auch vom Sauerstoff bestimmt werden. Für die Tauchzeit ist in der Regel immer der Stickstoff verantwortlich, der je nach verwendeter Nitroxmischung variieren kann. Wie du es schon von der Verwendung von Pressluft her kennst, solltest du trotz einer gewissen-

haften Tauchgangsplanung nicht die Grenzen des Tauchprofils ausreizen. Neben der konventionellen Planung mit Tauchtabellen wird in diesem Kapitel auch die Verwendung und Handhabung von Nitroxcomputern behandelt. Die Entwicklung von Tauchcomputern hat auch bei Nitrox nicht halt gemacht, so werden heute viele Modelle schon mit einem Nitroxmodus ausgestattet. Dieser ermöglich dir eine komfortable Überwachung deiner Tauchparameter, wie du es schon von Pressluft her gewohnt bist.

Kapitel Ziele

  • Was bedeutet die Abkürzung MOD?
  • Das Bestimmen der maximalen Tauchtiefe mit Hilfe der Equivalent Air Depth Table
  • Für was steht EAD?
  • Das Bestimmen der EAD mit Hilfe der Equivalent Air Depth Table
  • Das Bestimmen des PO2 mit Hilfe der Equivalent Air Depth Table
  • Die Überwachung der Sauerstoffbelastung mit Hilfe der Oxygen Exposure Table
  • Die Verwendung eines Nitroxcomputers


Foto: Lutz Odewald

   Maximale Tauchtiefe MOD

Die Maximum Operation Depth, kurz MOD genannt, ist die englische Bezeichnung für Maximale Tauchtiefe. Im Vergleich zu Pressluft befindet sich in einer Nitroxmischung in der Regel mehr Sauerstoff. Je nach Sauerstoffgehalt kann dieser dann für die maximale Tauchtiefe verantwortlich sein. Als Grenze für alle MOD Berechnungen zählt ein PO2 (siehe Kapitel 1) von 1,4 bar. Mit Hilfe einer einfachen Formel lässt sich die MOD berechnen. Die Formel basiert auf dem Gesetz von Dalton und lautet wie folgt:

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox8.jpg

Beispielberechnung:

In deiner Tauchflasche befindet sich Nitrox32 und du wählst einen PO2 von 1,4 bar.
Wie lautet die MOD für diesen Tauchgang?

Das Ergebnis wird dir in der Einheit P=Druck angezeigt. Durch das Umrechnen von Druck in Metern (siehe Kasten) ergibt sich für diesen Tauchgang eine maximale Tauchtiefe von 33,8 Meter .

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox17.jpg

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox10.jpg

    Equivalent Air Depth Table

Um das Risiko eines Rechenfehlers oder versehentlich falsch umgerechneter Werte zu umgehen, verwendet man zum Auffinden der MOD besser die Equivalent Air Depth Table. In dieser Tabelle ist, für sämtliche Nitroxmischungen die im Sporttauchen zur Anwendung kommen, die MOD bereits berechnet.

Die Equivalent Air Depth Table berücksichtigt die MOD bei einem PO2 von 1,4 bar, 1,5 bar sowie 1,6 bar.

Für das Festlegen deiner MOD wird immer mit einem maxi- malen PO2 von 1,4 bar gerechnet. Ein PO2 von 1,5 bar und 1,6 bar sollte nur für Notfallmaßnahmen und darf nicht für die normale Tauchgangsplanung verwendet werden.

Beispiel:

Finde die MOD für Nitrox32:

 

Auf der unteren rechten Seite der Equivalent Air Depth Table findest du sämtliche MODs für Nitroxmischungen mit einem Sauerstoffanteil von 28 bis 40 % Sauerstoff.

In der Kopfzeile findest du die unter- schiedlichen Partialdrücke (1,4 bar, 1,5 bar u. 1,6 bar) und auf der rechten Seite steht der prozentuale Sauerstoffgehalt der Nitroxmischung.

Wähle Nitrox32 und einen PO2 von 1,4 bar.

Die MOD beträgt 33,8 Meter.

 

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox11.jpg

EAD steht für Equivalent Air Depth, die so genannte Vergleichbare Luft- tiefe. Hierbei wird der Stickstoffgehalt der Nitroxmischung mit dem Stickstoff von Pressluft verglichen. Das Ergebnis zeigt eine korrigierte Lufttiefe an, mit der man seine Nullzeit ermitteln kann. Hierfür kann jede beliebige Lufttabelle zum Einsatz kommen. Aufgrund des geringeren Stickstoffgehaltes bei der Verwendung von Nitrox wird die EAD immer geringer ausfallen als die geplante Tauchtiefe mit Nitrox. Das Bestimmen einer EAD geschieht mit Hilfe einer recht komplexen Formel. Das folgende Beispiel soll dir zeigen, wie die EAD-Formel aufgebaut ist und wie sie angewandt wird.

Beispielrechnung:

Du planst einen Tauchgang auf 20 Meter, in deiner Tauchflasche befindet sich Nitrox32. 
Wie lautete die EAD bei diesem Tauchgang?

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox12.jpg

Bei diesem Tauchgang würde die EAD 15,8 Meter betragen. Mit dieser korrigierten Lufttiefe lässt sich jetzt mit Hilfe einer beliebigen Lufttabelle die Nullzeit für den Beispieltauchgang ermitteln.

Aufgrund der komplexem Formel und der Möglichkeit von Berechnungsfehlern wird von dem Gebrauch in der Praxis abgeraten. In der Regel sind zum Berechnen Hilfsmittel wie ein Taschenrechner notwendig, der sicher nicht immer zur Verfügung steht.

Wie schon bei der MOD ist das Ermitteln der EAD mit Hilfe einer Tabelle sicherer und schneller. Deshalb verwenden wir zum Aufsuchen der EAD die Equivalent Air Depth Table. Mit ihr lassen sich für alle Nitroxgemische von 28 bis 40 % Sauerstoff und Tauchtiefen von 10 bis 34 Metern die EAD schnell und sicher festlegen. Falls eine geplante Tauchtiefe nicht mit dem Wert der Tabelle übereinstimmt, wird zum nächst höheren Wert aufgerundet. Bei der EAD verhält es sich genauso: Stimmt die ermittelte EAD nicht mit der Tiefenangabe der Lufttabelle überein, wird zur Sicherheit auch hier zum nächst höheren Wert aufgerundet.

Verwendung der Equvalent Air Depth Table

 

In der Kopfzeile der Tabelle findest du den Sauerstoffgehalt, er reicht von 28 - 40 %. In der linken Spalte unter DEPTH die Tauchtiefen von 10 bis 34 Metern.

Um die EAD für einen Tauchgang zu ermit- teln, suche deine verwendete Nitrox- mischung in der Kopfzeile und die geplante Tauchtiefe unter DEPTH. Bringe beides in Übereinstimmung und lese die Tiefe unter dem Kästchen EAD ab.

 

 

 

Beispiel:

Wir wollen nun die EAD von Nitrox30 auf einer geplanten Tauchtiefe von 23 Metern bestimmen.

In der Kopfzeile der Tabelle gehen wir auf 30 % Oxygen und in der Spalte DEPTH auf eine Tiefe von 23 Metern. In der Spalte EAD finden wir nun den Wert von 19,2. Somit würde die EAD für diesen Tauchgang 19,2 Meter betragen. Mit der so ermittelten EAD lässt sich nun mit Hilfe einer beliebigen Lufttabelle die Nullzeit festlegen.

Nitrox-Tabellen

Eine weitere Möglichkeit, die Nullzeit für eine Nitroxmischung zu ermitteln, bieten spezielle Nitrox-Tabellen. Viele Ausbildungsorganisationen haben ihre Lufttabelle auf Nitrox umgerechnet und

stellen diese zur Verfügung. Die Handhabung entspricht in der Regel der einer Lufttabelle. Die Verwendung solcher Tabellen ist meist auf die beiden Standardgemische Nitrox32 sowie Nitrox36 beschränkt. Sollen andere Nitroxmischungen zum Einsatz kommen, lassen sich diese Nitroxtabellen nicht mehr verwenden. Das schränkt deren Einsatz sehr ein.

Nitroxcomputer 

Zur Überwachung von Tauchgängen mit Nitrox lassen sich auch Tauchcomputer mit einem Nitroxmodus verwenden.
Im Gegensatz zu herkömmlichen „Luftcomputern“ lässt sich bei den meisten Nitroxcomputern der Sauerstoffgehalt von 21 bis 50 % O2 einstellen.

Der Vorteil von solchen Computern ist, dass neben der Tauchzeit auch die „Einwirkungszeit von Sauerstoff“ überwacht und im Display angezeigt wird.
Bitte bedenke, dass du bei der Verwendung von Nitroxcomputern die Sicherheitsvorteile der geringeren Belastung gegen eine längere Nullzeit tauschst.

Oft wirst du die langen Nullzeiten nicht austauchen können, zum einen durch einen begrenzten Luftvorrat, zum anderen durch limitierte Tauchzeiten, kaltes Wasser oder ähnliches.

Möchtest du einen Nitroxcomputer zur Überwachung verwenden, dann setze ihn wie folgt ein:

  1. Bei normalen Tauchgängen, welche die größte Anzahl ausmachen werden, stelle deinen Nitroxcomputer auf den Luftmodus.
  2. Möchtest du bei einem Tauchgang den Vorteil der längeren Nullzeiten nutzen, stelle den Computer für diesen einen Tauchgang auf den entsprechenden O2 Gehalt. Für diesen Tauchgang rechnet der Computer jetzt mit der geänderten O2-Einstellung und stellt dir die verlängerten Nullzeiten zur Verfügung.
  3. Erfordert der folgende Tauchgang nicht mehr die langen Nullzeiten, verwende wieder den Luftmodus.

Dies ist ein guter Kompromiss aus Sicherheit und verlängerten Nullzeiten.

Der Computer rechnet jetzt mit Nullzeiten für Pressluft, du hast Formel wie bei der MOD. Nur dass die Formel entsprechend umgestellt werden muss.

   Der PO2 - Sauerstoffpartialdruck

Bei jeder Tauchgangsplanung mit Nitrox solltest du dich vergewissern, dass du den zulässigen PO2 von 1,4 bar nicht überschreitest. Der PO2 wird auch zum Ermitteln der Einwirkungszeiten von Sauerstoff benötigt. Das Errechnen des PO2 erfolgt mit der gleichen Formel wie bei der MOD. Nur dass die Formel entsprechend umgestellt werden muss.

Anhand eines Beispiels wollen wir den PO2 für einen Tauchgang ermitteln.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox13.jpg

Beispiel:

Du planst einen Tauchgang mit Nitrox32 auf eine Tauchtiefe von 20 Metern.
Wie hoch wäre der PO2 bei diesem Tauchgang?

Der PO2 bei diesem Tauchgang würde 0,96 bar betragen. Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox15.jpg

Wie bei der MOD-Formel können sich auch hier Berechnungsfehler ergeben. Um den PO2 für einen Tauchgang sicher und schnell zu ermitteln, verwenden wir wieder die Equivalent Air Depth Table.

 

Wie schon bei der EAD gehen wir in der Kopfzeile der Tabelle auf unsere verwendete Nitroxmischung und unter DEPTH auf unsere Tauchtiefe. In der Spalte PO2 können wir nun den PO2 in bar ablesen.

Beispiel:

Du möchtest den PO2 für einen Tauchgang mit Nitrox30 und einer Tauchtiefe von 20 Metern ermitteln.

Gehe in der Kopfzeile auf den Wert 30 % und in der linken Spalte unter DEPTH auf eine Tiefe von 20 Metern. Es ergibt sich ein PO2 von 0,9 bar. Der Wert befindet sich unter 1,4 bar und kann so problemlos verwendet werden.

 

 

    Einwirkungszeiten von Sauerstoff (Sauerstoffbelastung)

Die Einwirkungszeiten von Sauerstoff sind vergleichbar mit der Nullzeit von Stickstoff. Nur dass es bei der Überschreitung nicht zu einem Dekompressionsunfall kommen kann, sondern zu einer Hyperoxie (Siehe Kapitel 2). Die Einwirkungszeiten stehen im direkten Verhältnis zum Sauerstoffpartialdruck. Je höher der Partialdruck, desto kürzer die Einwirkungszeit. Mit Hilfe der Oxygen Exposure Table, kurz OET, können diese Einwirkungszeiten überwacht werden.

Die Sauerstoffeinwirkung wird in Prozenten angegeben. Eine vollständige Belastung würde somit 100 % betragen. Um die Grenzen der Tauchgangsplanung nicht auszureizen, sollte aber mit einer maximalen Einwirkung von 90 % gerechnet werden. Zum Berechnen der Sauerstoffbelastung benötigen wir den Sauerstoffpartialdruck des Tauchganges. Diesen haben wir mit der Equivalent Air Depth Table ermittelt (Siehe Seite 53).

Beispiel:

Der PO2 bei einem Nitroxtauchgang lag bei 1.0 bar, die Tauchzeit betrug 45 Minuten. Wie hoch ist die Sauerstoffbelastung in Prozent nach diesem Tauchgang?

In der Kopfzeile der Tabelle finden wir den PO2. In unserem Beispiel lag der PO2 bei 1,0 bar. Die Zahlen in der Tabelle sind die Tauchzeiten in Minuten. In unserem Beispiel betrug die Tauchzeit 45 Minuten. Die linke Spalte gibt uns die Sauerstoffbelastung in Prozenten an. Da wir die 45 Minuten nicht in der Tabelle finden, runden wir zum nächst höheren Wert auf. In unserem Beispiel würde die Belastung dann 20 % betragen. Die Tabelle DIVES dient zur Überwachung der Sauerstoffbelastung bei Wiederholungstauchgängen.

Während einer Oberflächenpause zwischen zwei Tauchgängen nimmt die Sauerstoffbelastung im Körper wieder ab. Die Zeit zur vollständigen Abnahme beträgt ca. 9 Stunden. Liegt zwischen zwei Tauchgängen eine Oberflächenpause von 9 Stunden oder länger, zählt der darauf folgende Tauchgang nicht mehr als Wiederholungstauchgang. Ist die Oberflächenpause geringer als 9 Stunden, handelt es sich um einen Wiederholungstauchgang. Zur Kontrolle der Sauerstoffbelastung wird der aufgenommene Sauerstoff der einzelnen Wiederholungstauchgänge addiert. Als maximale Belastung sollten 90 % nicht überschritten werden. Dafür verwenden wir die Tabelle DIVES, auf der Equivalent Air Depth Table.

 

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Nitrox16-1.jpgBeispiel:

Bei Tauchgang 1 wurde eine Sauerstoffbelastung von 20 % erreicht. Zwischen dem 2. Tauchgang lag eine Oberflächenpause von

4 Stunden, somit handelt es sich um einen Wiederholungstauchgang Bei dem

  1. Tauchgang betrug die Sauerstoffbelastung 20 %. Die Sauerstoffbelastung beträgt nach dem 2. Tauchgang nun 40 %.

    Wiederholungsfragen Kapitel 3

Arbeite alle Fragen mit Hilfe von Kapitel 3 durch.

Falls bei den vorgegebenen Fragen oder Antworten Unklarheiten entstehen, arbeite das Kapitel noch einmal mit deinem NSC-Instruktor durch.

„Maximum Operation Depth“, kurz MOD genannt, ist die englische Bezeichnung für Maximale Tauchtiefe.

Richtig
Falsch

Für das Festlegen deiner MOD wird immer mit einem maximalen PO2 von 1,6 bar gerechnet.

Richtig
Falsch

EAD steht für Equivalent Air Depth, die so genannte Vergleichbare Lufttiefe. Hierbei wird der Stickstoffgehalt der Nitroxmischung mit dem Stickstoff von Pressluft verglichen.

Richtig
Falsch

Du planst einen Tauchgang auf 30 m und verwendest Nitrox32. Wie hoch wäre dein PO2 in dieser Tiefe?

a. 1,28 bar
b. 0,80 bar
c. 0,10 bar
d. 0,96 bar

Bestimme die MOD für Nitrox32. Der maximal zulässige PO2 beträgt 1,4 bar.

a. 34,1 m
b. 30,0 m
c. 33,8 m
d. 40,0 m

Berechne die EAD für folgendes Tauchprofil: Es soll ein Tauchgang mit Nitrox34 auf eine Tauchtiefe von 25 m geplant werden, wie lautet die EAD für diesen Tauchgang?

a. 23,2 m
b. 20,1 m
c. 19,2 m
d. 18,3 m

Wir planen einen Tauchgang mit einem PO2 von 1,2 bar und einer Tauchzeit von 60 min. Wie hoch wäre die Sauerstoffbelastung in % nach unserem Tauchgang?

a. 30 %
b. 20 %
c. 70 %
d. 10 %

Wir planen 2 Tauchgänge mit folgenden Profilen:

  1. TG - PO2 1,3 bar/Tauchzeit 40 min.
  2. TG - PO2 1,18 bar/Tauchzeit 45 min.

Wie hoch wäre die Sauerstoffbelastung in % nach dem 2. Tauchgang?

a. 30 %
b. 20 %
c. 70 %
d. 60 %

    Kapitel 4

Dieses Kapitel behandelt den praktischen Teil deiner Nitroxausbildung. Bevor du Nitrox bei einem Tauchgang verwendest, sind einige Dinge von dir zu beachten und weltweite Standards einzuhalten. Neben der Kontrolle deiner Tauchausrüstung, wie du es schon von Pressluft her kennst, gibt es für den Gebrauch von Nitrox noch spezielle Kontrollen. Diese

dienen ausschließlich zu deiner eigenen Sicherheit und sollten deshalb immer vor jedem Tauchgang mit Nitrox durchgeführt werden. Des Weiteren lernst du einiges über spezielle Tauchausrüstung und Zubehör kennen.

Kapitel Ziele

  • Warum und wie wird eine Sauerstoffanalyse durchgeführt?
  • Wie arbeitet man mit einem Sauerstoffanalyser? Warum und wie wird ein Nitroxfüllbuch geführt?
  • Warum verfügen Nitrox-Tauchflaschen über eine eigene Kennzeichnung?
  • Wie sieht die Kennzeichnung von Nitrox-Tauchflaschen aus?
  • Welche Ausrüstung kann für den Gebrauch mit Nitrox verwendet werden?

Foto: Marc Zaalberg

    Sauerstoffanalyse

Dies geschieht mit Hilfe eines Sauerstoffmessgerätes, das auch O2-Analyser genannt wird.

Bei der Analyse wird ein Teil des Atemgases über einen Sauerstoffsensor geführt und der ermittelte Wert auf einem Display abgelesen. Bevor der Sauerstoffgehalt mit einem Analyser bestimmt werden kann, muss dieser kalibriert werden, um genaue Messergebnisse zu liefern. Die Kalibrierung findet in der Regel mit Pressluft statt, es kann aber auch ein Eichgas verwendet werden, bei dem man den Sauerstoffgehalt bereits kennt. Ein Eichgas steht sicher nur in den seltensten Fällen zur Verfügung.

Kommt bei der Kalibrierung Pressluft zum Einsatz, wird der Analyser auf 20,9 % O2 eingestellt. Das entspricht dem Sauerstoffgehalt von Luft.

Je nach verwendetem Modell ist die Handhabung eines Sauerstoffanalysers unterschiedlich. Lasse dich vor dem Gebrauch eines dir nicht bekannten Modells in die Funktionen und dessen Handhabung einweisen.

Im Gegensatz zu Pressluft, bei der wir immer den gleichen Sauerstoffgehalt vorfinden, ändert sich bei Nitrox das Verhältnis von Sauerstoff und Stickstoff. Für eine sichere Tauchgangsplanung ist es zwingend notwendig, den genauen Anteil Sauerstoff im Atemgas zu kennen. Um den Sauerstoffgehalt zu bestimmen, wird vor dem Gebrauch eine Sauerstoffanalyse durchgeführt.

Punkte, die bei einer Sauerstoffanalyse unbedingt zu beachten sind.

  • Die Analyse muss immer von dir selbst durchgeführt wer- den. Das ist ein weltweiter Standard und muss unbedingt eingehalten werden. Lasse nie eine Analyse durch eine
  • andere Person durchführen oder tauche mit einem Nitroxgemisch, das du nicht selbst analysiert hast. Denke daran: Du bist ganz allein für das Gemisch verantwortlich, welches du bei einem Tauchgang einsetzt
  • Lasse dich in den Gebrauch eines Sauerstoffanalysers einweisen, dessen Handhabung dir nicht bekannt ist. Verwende nie einen Analyser, dessen Funktionen und Gebrauch dir nicht geläufig sind.
  • Verwende nie eine Nitroxmischung, deren Sauerstoffgehalt dir nicht bekannt ist.
  • Für eine sichere Tauchgangsplanung ist es unbedingt notwendig, dass du den Sauerstoffgehalt deiner Nitroxmischung kennst. Ohne den Sauerstoffgehalt zu kennen, ist z. B. eine Berechnung der MOD nicht möglich.

 

 

   Nitrox-Füllbuch

Als Nachweis und zur Erhöhung deiner Sicherheit wird jede Tauchschule, die Nitrox anbietet, ein Nitrox-Füllbuch oder eine Nitrox-Füllliste führen. In ihr werden von dir deine Analyse- daten und Zusatzinformationen eingetragen und gegengezeichnet. Ein Füllbuch ist meist tabellarisch aufgebaut und einfach zu handhaben.

Die Informationen, die eingetragen werden müssen, können je nach Tauchbasis und Gegebenheiten unterschiedlich sein.

  • Analysedatum
  • Flaschennummer
  • Analysewert
  • MOD (maximale Tauchtiefe)
  • Name des Tauchers
  • Unterschrift des Tauchers

Ein Füllbuch kann noch mit Zusatzinformationen ausgestattet sein, z. B. Fülldruck der Flasche, Tauchplatz, etc. Lasse dich vor Gebrauch in dessen Handhabung einweisen.

 

Das Beispiel soll dir zeigen, wie ein Füllbuch aufgebaut sein kann.

    Flaschenkennzeichnungen

Grundsätzlich dient eine Flaschenkennzeichnung dazu, Verwechslungen zu vermeiden, ganz gleich, um welches Gas es sich letztlich handelt. Genau wie Pressluftflaschen haben auch Nitroxflaschen eine eigene Kennzeichnung. Diese kann je nach- dem, in welchem Land oder Gebiet diese Flasche verwendet wird, ganz unterschiedlich sein. Viele europäische Länder kennzeichnen Gasflaschen mit einer speziellen Farbe und einem unter- schiedlichen Gewinde. Oft ist der Name des zu verwendenden Gases in den Flaschenhals eingeschlagen und kann so abgelesen werden. Grundsätzlich wird und darf eine Füllstation kein anderes Gas in diese Flasche füllen als das, für das sie zugelassen und gekennzeichnet ist.

Ganz gleich wie diese Kennzeichnung auch ausfällt, sie dient letztlich dazu, ein Verwechseln zu vermeiden und damit die Sicherheit für dich und andere zu erhöhen.

Oft verwenden Tauchbasen neben den gesetzlich vorgeschriebenen noch weitere Kennzeichnungen. Nicht immer schreibt das Gesetz des jeweiligen Landes ein anderes Flaschengewinde vor, und so besteht die Möglichkeit, dass auch ein Nicht-Nitroxtaucher mit seiner Ausrüstung eine Nitroxflasche verwendet. Die gängigsten zusätzlichen Flaschenkennzeichnungen lernst du nun kennen.

Rundumaufkleber

Die wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Kennzeichnung einer Nitroxflasche ist sicher der Rundumaufkleber. Dabei wird ein ca. 15 cm hoher Aufkleber verwendet, der einmal um die komplette Flasche geklebt wird. Oft werden dabei die Farben Grün/Gelb und eindeutige Merksätze verwendet, aus denen hervorgeht, dass diese Tauchflaschen nur von Tauchern benutzt werden dürfen, die über eine entsprechende Ausbildung verfügen.

Neben einem Aufkleber kommen heute immer mehr so genannte Neoprenüberzieher zum Einsatz. Diese haben den Vorteil, dass sich die Markierung einer Nitroxflasche schnell und sicher von Luft auf Nitrox oder umgekehrt wechseln lässt, ohne dass dafür immer ein neuer Aufkleber verwendet werden muss.

 

Diese Überzieher haben eine lange Lebensdauer und lassen sich jahrelang verwenden im Gegensatz zu Aufklebern, die schon nach einer kurzen Einsatzzeit gewechselt werden müssen, da sie sich teil- weise oder ganz von den Flaschen lösen.

 

 

 

Flascheninhaltsanzeiger

Diese Kennzeichnung dient zur einwandfreien Bestimmung einzelner Nitroxflaschen. Sie soll ein versehentliches Vertauschen, z. B. auf einem Tauchboot, verhindern. Oft kommt als Flascheninhaltsanzeiger eine kleine Plastikkarte, die am Flaschenhals befestigt wird, zum Einsatz. Anhand dieser Kennzeichnung ist ein Ver- tauschen recht unwahrscheinlich. Falls sich

an deiner Flasche kein Anzeiger mehr befindet, verwende diese nicht. Werden zum Beschriften löschbare Stifte verwendet, können die Daten nach dem Tauchgang wieder entfernt und der Anzeiger erneut benutzt werden.

Auch diese Karten können sich vom Aufbau und Inhalt unterscheiden. Folgendes Beispiel soll dir zeigen, welche Angaben diese Karte enthalten sollte.

  • Datum
  • Sauerstoffgehalt
  • MOD
  • Name des Tauchers

Lege dir am besten einen eigenen NSC-Flascheninhaltsanzeiger zu. So bist du dir jeder Zeit sicher, in welcher Flasche sich dein Nitrox befindet und dass du auch die Flasche bekommst, die du analysiert hast. So ein Anzeiger kann jahrelang verwendet werden und stellt keine große Investion dar.

Foto: Barbara Mehli-Schilling

   Spezielle Ausrüstung für das Tauchen mit Nitrox

Sauerstoffanalyser

 Jede Tauchbasis, die Nitrox anbietet, stellt dir für die Analyse einen Sauerstoffanalyser zur Verfügung. In der Regel sind das kleine Handmessgeräte mit einer einfachen Bedienung. Die Handhabung kann sich bei den verschiedenen Modellen voneinander unterscheiden, und du solltest dich mit deren Bedienung vertraut machen.

Die Genauigkeit und Ausstattung der sich auf dem Mark befindlichen Analyser kann unterschiedlich sein. Leider zählt hier letztlich nicht, dass das, was teuer ist, auch genauer misst, oft werden Funktionen eingebaut, die man für die eigentliche Analyse letztlich gar nicht benötigt. Somit kann ein einfach aufgebauter Analyser genauso gute Messdaten abliefern wie ein besser ausgestattetes Modell. Je nach Modell werden die Messdaten mit oder ohne Kommastelle angezeigt. Für unsere Zwecke reicht ein Analyser ohne Kommastelle vollkommen aus, da jeder Analyser von sich aus schon Toleranzen um die 0,5 % hat. Temperatur, Luftfeuchte etc. sind weitere Punkte, die das Ergebnis geringfügig verfälschen können. Ein angezeigter Wert von 32,8 % sagt also nicht aus, dass sich wirklich auch 32,8 % Sauerstoff in der Tauchflasche befinden.

Da in den letzten Jahren die Anzahl der Nitroxtaucher extrem gestiegen ist, kann es sein, dass du für die Analyse vor deinem Tauchgang etwas Zeit mit einplanen solltest, da ja jeder Taucher seine Flasche eigenhändig kontrollieren muss. Um die Sauerstoffanalyse für dich komfortabler zu machen und nicht kostbare Urlaubszeit zu verlieren, solltest du über die Anschaffung eines eigenen Sauerstoffanalysers nachdenken. So ist dir dessen Handhabung bestens bekannt, und du kannst die Analyse jeder- zeit durchführen.

Lungenautomaten

Je nach Land und gesetzlichen Auflagen kann es sein, dass Nitroxflaschen über ein spezielles Anschlussgewinde verfügen.

Der Anschluss eines normalen Pressluftreglers ist dann nicht möglich. Auf dem Markt befinden sich dafür spezielle Nitroxautomaten, die über das jeweilige Anschlussgewinde verfügen. Doch leider sind diese Anschlüsse meist auf ein Land begrenzt.

Hier ein Beispiel für auf dem Markt erhältliche spezielle Nitrox-Automaten

So kann es in der Praxis vorkommen, dass etwa in Deutschland erworbene Nitroxautomaten in Urlaubsländern wie Ägypten oder den Malediven nicht eingesetzt werden können, weil die Flaschen einen anderen Anschluss haben.

Als weltweiter Standard gilt, dass Nitromischungen mit einem maximalen Sauerstoffgehalt von 40 % mit normalen Atemreglern verwendet werden. Auch die Flaschenanschlüsse sind in der Regel normale DIN- oder INT-Anschlüsse, die auch bei der Verwendung von Pressluft zum Einsatz kommen. Zudem werden Adapter angeboten, die ein Verbinden von Pressluftregler mit Nitroxflaschen oder umgekehrt ermöglichen.

Informiere dich in deinem Land, welche gesetzlichen Auflagen eingehalten werden müssen und was für Ausrüstung verwendet werden kann. Werden Nitroxmischungen mir mehr als 40 % eingesetzt, sollten grundsätzlich immer spezielle Sauerstoffautomaten verwendet werden. Der Unterschied zu normalen Lungenautomaten ist zum einen die Farbmarkierung und zum anderen die Verwendung spezieller Schmiermittel und O-Ringe, die für den Gebrauch von Sauerstoff zugelassen und geeignet sind. Verwende niemals Pressluftregler bei Nitroxmischungen mit mehr als 40 % Sauerstoffgehalt.

   Wiederholungsfragen Kapitel 4

Arbeite alle Fragen mit Hilfe von Kapitel 4 durch.

Falls bei den vorgegebenen Fragen oder Antworten Unklarheiten entstehen, arbeite das Kapitel noch einmal mit deinem NSC-Instruktor durch.

Im Gegensatz zu Pressluft, bei der wir immer den gleichen Sauerstoffgehalt vorfinden, ändert sich bei Nitrox das Verhältnis von Sauerstoff und Stickstoff.

a. Richtig
b. Falsch

Welches Gas wird bei der Sauerstoffanalyse überprüft?

a. Stickstoff
b. Nitrox
c. Sauerstoff
d. Luft

Auf welchen Sauerstoffgehalt muss ein Analyser kalibriert werden?

a. 20,9 %
b. 0,21 %
c. 32,0 %
d. 16,9 %

Bis zu welchem Sauerstoffanteil kann normale Ausrüstung verwendet werden?

a. 32 %
b. 21 %
c. 40 %
d. 36 %

Werden Nitroxmischungen mit mehr als 40 % eingesetzt, sollten grundsätzlich immer spezielle Sauerstoffautomaten verwendet werden.

a. Richtig
b. Falsch

Wer muss vor der Verwendung der Nitroxflaschen die Sauerstoffanalyse persönlich durchführen?

a. Tauchpartner
b. Taucher
c. Divemaster
d. Instruktor

Welche zusätzliche Kennzeichnung sollte eine Flasche für den Gebrauch von Nitrox aufweisen?

a. Rundumaufkleber
b. Rundumaufkleber und Flaschen- inhaltsanzeiger
c. Flascheninhaltsanzeiger und Tüvstempel
d. Tüvstempel und DIN Nummer

Die Flaschenkennzeichnung dient dazu ein Verwechseln der Tauchflaschen zu vermeiden und so die Tauchsicherheit zu erhöhen.

a. Richtig
b. Falsch