Grundlagen / Grundwissen wiederholen aus dem OWD Buch / Wiederholungsfragen OWD

Solltest du sehr fit sein im theoretischen Wissen, dann ist diese Manual eigentlich nichts für dich =) Alle Anderen - auf in die Taucherwelt!

Ausrüstung
Tauchphysik
Das Element Wasser
Medizin
Barotraumen
Dekompressionskrankheiten
Zwischenfälle

Starten wir mit den Grundlagen des Tauchens. Ihr erinnert euch bestimmt an das Basiswissen aus dem OWD oder auch aus dem AOWD Kurs. (Hier einige Katpitel zusammengefasst aus dem NSC OWD Manual)

Wir wollen hier nochmal einige sehr wichtig Themen behandeln und dein Wissen auffrischen.

Eingangsbeurteilung (30 Fragen Test) Teste dich selber!

Dein Tauchlehrer wird mit dir eine Eingangbeurteilung mittels eines vereinfachten OWD Testes machen. Keine Sorge, dieser wird nicht bewertet, sondern dient einzig dazu dein eigenen Wissen zu überprüfen und zu finden, wo noch Schwachstellen sind. Denn besonders durch Wissen lassen sich problematische Situationen verhindern.

Sei ehrlich und versuche sie ohne Hilfe zu beantworten, denn nur so kannst du herausfinden, ob du bereit bist für neue Aufgaben.

  • Barotraumen
  • Temperaturprobleme
  • Dekokrankheit DCI/DCS
  • Tiefenrausch
  • Sauerstoffvergiftungen
  • Strömungen und Gezeiten
  • Tauchtechniken

Nun musst du selbst entscheiden, wie sicher du dich mit diesen Fragen gefühlt hast. Wenn du dir mit allem sicher gewesen bist und deine Antworten richtig waren, kannst du das Kapitel hier überspringen. Solltest du dir aber bei manchen Sachen nicht sicher gewesen sein, solltest du auf jeden Fall das Kapitel weiterlesen. 

Starten wir nochmal mit der Wiederholung einzelner Wichtiger Themen. In diesem Buch werden die Sachen nur recht kurz wiederholt, solltest du für einige Sachen mehr informationen benötigen oder du Hilfe brauchen, dann frag in deinem NSC Center deinen Tauchlehrer.  

Ausrüstung: 

Deine Ausrüstung ist für dich eines der wichtigsten Dinge und auch ihre beherrschung ist sehr wichtig. Wir werden hier nicht alle Ausrüstungsteile noch einmal besprechen, aber die wichtigsten die du für das Weitere brauchst. Sollten im Verlauf noch weitere Ausrüstungsgegenstände hinzu kommen, so wirst du diese in dem jeweiligen Specialty erklärt bekommen. 

Anzüge: 

Wie du sicherlich auch schon in deinen bisherigen Tauchgängen gemerkt hast, ist unser Tauchanzug ein wesentlicher Bestandteil, von dem abhängt ob wir Spaß am Tauchen haben oder nicht. Die Auswahl deines Tauchanzuges hängt maßgeblich von der Tempertatur ab.  

Shorty/ 3mm Anzug: 28°C und wärmer 

5mm Neoprenanzug: 27°C- 20°C 

7mm Neoprenanzug: 19- 12°C

Trockentauchanzug: 11°C und kälter

Diese Auflistung ist jedoch nur eine grobe Richtlinie für den Anfang. Durch deine gemachten Tauchgänge hast du schon die Erfahrung, ob dir im Wasser eher schnell kalt wird oder eher weniger. Dies bedeutet, dass ich meinen Anzug nach der kältesten Temperatur in der Tiefe aussuche, in der ich tauchen gehen möchte. Gerade im Sommer sind unsere heimischen Seen auch an der Wasseroberfläche recht warm und wir können bei 21°C theoretisch mit einem 5mm Anzug tauchen. Doch mein Tauchgang führt mich eigentlich auf eine Tiefe von 18m wo es nur noch 14°C warm ist. Deshalb wäre hier die richtige Wahl der 7mm Anzug. Das solltest du in deiner Planung nicht vergessen.  

An diese Erfahrung kannst du nun alles weitere Anpassen. Solltest du noch fragen haben oder dir noch nicht sicher sein, was du bei deinem Tauchgang tauchen solltest, steht dir dein NSC Tauchlehrer zur Seite und berät dich bei der Wahl des richtigen Anzugs. 

Tipp: Wenn du dich dafür interessierst im Winter auch hier in Deutschland oder in Internationalen kälteren Gewässern tauchen zu gehen, schau doch mal in unserem Trockentauchbuch vorbei. Hier erfährst du alles zu Trockentauchen und zu den dazugehörigen Ausrüstungsgegenständen. 

Atemregler:

Unsere Atemregler wohl das wesentliche Bestandteil bei unserer Tauchausrüstung. Denn dieser ermöglicht es uns Unterwasser kontinuierlich zu Atmen und somit die unglaubliche Unterwasserwelt zu erkunden. 

ERinner dich noch mal aus welchen Teilen dein Atemregler bestand und was genau ihre Aufgaben war.

Die 1. Stufe, welche an der Pressluftflasche befestigt wird, ist eigentlich nichts anderes als ein Druckminderer, der die Aufgabe hat den sehr hohen Flaschendruck auf einen Mitteldruck zu reduzieren (9-11 Bar über Umgebungsdruck). Die 2. Stufe reduziert den Mitteldruck auf den Umgebungsdruck in jeder Tiefe. Diese Kombination aus zwei Druckreduzierungen hat sich als alltagstauglich und extrem zuverlässig erwiesen. An der 2. Stufe befindet sich ein Mundstück, um diesen im Mund sicher halten und atmen zu können.

Dir werden Atemregler in verschiedenen Konfigurationen begegnen. Eine Atemregler Konfiguration sollte immer so aufgebaut sein, dass du in einem Notfall immer noch Atmen und Tarieren kannst. Solltest du dir bei einer Konfiguration nicht sicher sein, solltest du deinen Buddy fragen, wie er damit umgeht bzw. im Zweifel deinen Tauchlehrer noch einmal um Erklärung bitten.

Konstruktive Unterschiede können maßgeblich den Komfort des Atmen beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, dass du dich auch damit auseinander setzt. Ein wesentlicher Bestandteil zu den Atemreglern wird dir noch mal im Specialty Tieftauchen (Deep Diver) erklärt. 

Tauchcomputer:

Ein Tauchcomputer ist ein speziell entwickeltes, elektronisches

Gerät, das über alle wichtigen Parameter eines Tauchgangs ständig informiert. Alle Tauchcomputer zeigen ständig die aktuelle Tauchtiefe, die Tauchzeit und die verbleibende Nullzeit an. Je nach Ausstattung des Tauchcomputers sind weitere Parameter (z.B. Wassertemperatur, durchschnittliche Tauchtiefe) und eine Möglichkeit zur Kontrolle der Aufstiegsgeschwindigkeit und der Dekompressionsstopps integriert.

Grundsätzlich unterschieden werden Uhren- oder Armmodelle und Konsolenmodelle sowie luftintegrierte und nicht luftintegrierte Tauchcomputer.

Zu einem luftintegrierten Computer gehört ein Sender, der in einen Hochdruckanschluss der 1. Stufe des Atemreglers geschraubt wird. Während eines Tauchgangs übermittelt dieser Sender die Informationen zum Restdruck der Pressluftflasche zur Anzeige an den Computer. 

Die meisten Tauchcomputer arbeiten immer mit einem fest eingespeicherten Algorithmus. Dieser Algorithmus ist zwar in der Regel sehr präzise aufgebaut, orientiert sich jedoch an dem „Durchschnittstaucher“. Der Tauchcomputer kann deine persönlichen Eigenschaften bei seinen Berechnungen also nicht berücksichtigen. Die neuesten Modelle können weitere persönliche Parameter beachten (Herzfrequenz, Luftverbrauch, Temperatur, Handicapeinstellungen.)

Sieh deinen Tauchcomputer als Teil deiner persönlichen Ausrüstung an. Du solltest deinen Computer nicht verleihen. Jeder Tauchcomputer speichert die letzten Tauchgänge und orientiert sich bei der Berechnung jedes neuen Tauchgangs an diesen gespeicherten Werten.

Dein Tauchcomputer ist vor allem ein Sicherheitsaspekt. Denn auf ihm kontrollierst du selbstständig deine Nullzeit, deine Höhe, Aufstiegsgeschwindigkeiten und deine Sicherheitsstopps. So kannst du für dich selbst sichergehen, dass du alle Sachen einhältst. Der Tauchcomputer unterstützt dich dabei, in dem er sich akustisch, visuell oder durch Vibrationen  bemerkbar macht, wenn kritische Werte erreicht werden. Vorteilhaft sind auch Computer mit Farbdisplay, da hier relevante Werte durch Signalfarben deutlich hervorheben.

Tauchphysik:

Erinnere dich noch einmal was du alles in der Physik gelernt hat. Grundlegend beschäftigen wir uns erst mal Mit Luft. Luft die wir einatmen, erwärmen, abkühlen und Luft die durch ihr eigengewicht einen Druck ausübt. 

Der Druck ist eine physikalische Einheit und kann als die Kraft, die auf eine bestimmte Fläche wirkt beschrieben werden. Gemessen und angegeben wird der Druck in bar.

Ein bar entspricht dabei dem Druck, den ein 1 kg schwerer Körper auf die Fläche von 1 cm² ausübt. In der Physik wird der Druck mit dem Buchstaben p (p = engl.: pressure) bezeichnet.

Auf Meereshöhe beträgt der Luftdruck 1 bar. Der Luftdruck nimmt in Abhängigkeit von der Höhe über dem Meeresspiegel pro 1000 m um ungefähr 0,1 bar ab. Diese Angabe ist auch nicht ganz korrekt, sie ist für unsere Belange aber hinreichend genau. 

Der Wasserdruck verändert sich wegen des größeren Gewichts des Wassers schneller als der Luftdruck. Eine Wassersäule von 10 m Höhe verursacht einen Druck von 1 bar. Das bedeutet, dass der Wasserdruck alle 10 m Wassertiefe um 1 bar zunimmt.

Auch diese Werte sind wieder nicht ganz exakt, sie sind für unsere Belange aber hinreichend genau.

Der Taucher im Wasser ist zum einen dem Wasserdruck, zum zweiten aber auch dem Luftdruck ausgesetzt. Die Summe aus Luft- und Wasserdruck entspricht dem Umgebungsdruck, dem der Taucher ausgesetzt ist.

Gesetz Boyle- Mariotte:

Das Gesetz von Boyle-Mariotte besagt, dass sich der Rauminhalt (Volumen) eines Gases in entgegengesetztem Maße verändert, wie sich der Druck auf das Gas verändert. Steigt der Druck verringert sich das Volumen, verringert sich der Druck, nimmt das Volumen zu. Das Gesetz gilt nur bei gleichbleibender Temperatur des Gases und wenn sich das Gas in einer elastischen Hülle befindet.

Ein Beispiel:

Wir füllen einen Luftballon (elastische Hülle) an der Oberfläche mit 16 Liter Luft und knoten ihn zu. Diesen Luftballon nehmen wir von der Oberfläche aus (Umgebungsdruck = 1 bar) mit unter Wasser. In 10 Meter Wassertiefe (Umgebungsdruck = 2 bar) beträgt das Volumen des Ballons nur noch 8 Liter, in 20 Meter Tiefe (Umgebungsdruck = 3 bar) nur noch 5,3 Liter usw.

Tauchen wir mit dem Luftballon nun wieder zur Oberfläche, so beträgt das Volumen des Ballons auf 10 Metern wieder 8 Liter, an der Oberfläche wieder 16 Liter.

Gesetz von Dalton:

Ein Gasgemisch wie unsere Atemluft verursacht einen Druck. Die einzelnen Gase in diesem Gasgemisch verursachen alleine einen Anteil an diesem Druck (Partialdruck), der ihrem Volumenanteil entspricht. Das Gesetz von Dalton besagt nun, dass der Gesamtdruck eines Gasgemisches - wie beispielsweise unserer Atemluft - der Summe der Teildrücke (Partialdrücke) der einzelnen Gase ist. In der Physik wird der Partialdruck mit pp (pp = engl: partial pressure) bezeichnet.

Auch hier wieder ein Beispiel: Wie du weißt, setzt sich die Luft in unserer Atmosphäre aus Stickstoff, Sauerstoff und einigen weiteren Gasen zusammen. Der Luftdruck in Meereshöhe ist gleich ein bar. Entsprechend seinem Volumenanteil an der Luft der Atmosphäre beträgt der Stickstoff-Partialdruck (ppN2) auf Meereshöhe  0,78 bar, der Sauerstoff-Partialdruck (ppO2) auf Meereshöhe 0,21 bar und der Partialdruck der übrigen Gase zusammen 0,01 bar.

Wie du aus dem Gesetz von Boyle-Mariotte bereits weißt, steigt der Druck der Atemluft beim Tauchen. Damit steigen auch die Partialdrücke der Gase der Atemluft. Für den Taucher sind die Teildrücke der Gase in unserer Atemluft von Bedeutung, da sowohl der Stickstoff (N2) als auch der Sauerstoff (O2) bei höheren Partialdrücken, also in der Tiefe, unerwünschte Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. Stickstoff (N2) wirkt bei höherem Partialdruck - angenommen wird ein ppN2 größer als 3,2 bar - narkotisierend, Sauerstoff (O2) wirkt ab einem ppO2 von 1,6 bar gar giftig für das zentrale Nervensystem. 

Gesetz von Henry:

Wie du sicherlich weißt, besteht der menschliche Körper zum größten Teil, nämlich zu 70%, aus Wasser. Das Gesetz von Henry beschreibt nun die Löslichkeit von Gasen in Flüssigkeiten in Abhängigkeit vom Druck des Gases außerhalb der Flüssigkeit. Die Gasmenge in einer Flüssigkeit verändert sich im gleichen Umfang wie sich der Partialdruck des Gases außerhalb der Flüssigkeit verändert. Mit steigendem Druck steigt die Gasmenge, die sich in der Flüssigkeit löst, mit fallendem Druck muss sich das Gas aus der Flüssigkeit wieder lösen.

In der Folge treten die Gase der Einatemluft verstärkt in das Blut über, es kommt zu einer Aufsättigung des Blutes und letztlich auch des Körpergewebes mit den Gasen.

Fatal ist hier insbesondere der Stickstoff (N2), der im Blut und im Körpergewebe physikalisch gelöst wird. Die Verminderung des Umgebungsdrucks beim Auftauchen führt letztlich auch dazu, dass zuvor gelöster Stickstoff aus dem Körpergewebe wieder freigegeben wird, über die Blutbahnen zu den Lungen transportiert wird und letztlich wieder abgeatmet werden muss. Ein zu schneller Abfall des Umgebungsdrucks (durch zu schnelles Auftauchen) führt letztlich dazu, dass sich im Blut Stickstoffblasen bilden, eine Dekompressionskrankheit ist die Folge.

Gesetz von Gay Lussac: 

Das Gesetz von Gay-Lussac (richtig ist es, das Gesetz als das erste Gesetz von Gay-Lussac zu bezeichnen) besagt, dass sich das Volumen eines Gases in einem starren, geschlossenen Behälter in gleichem Maße verändert, wie sich die Temperatur verändert. Steigt die Temperatur des Gases, nimmt auch das Volumen zu, sinkt die Temperatur des Gases, nimmt auch das Volumen ab.

Bedeutung hat dieses Gesetz im Zusammenhang mit der Möglichkeit der sich verändernden Temperatur der Füllung in der Pressluftflasche. Beim Füllen der Flasche oder bei der Lagerung in einem warmen Kofferraum wird das Atemgas in der Pressluftflasche warm und dehnt sich aus. Umgekehrt verringert sich das Volumen des Atemgases bei der Abkühlung, beispielsweise beim Eintauchen in kaltes Wasser. Zu sehen sind diese Volumenveränderungen an deinem Druckmanometer, dem Finimeter. Im Extremfall - beispielsweise bei der Lagerung einer vollgefüllten Druckluft- bzw. Pressluftflasche in der prallen Sonne - kann es sogar so weit kommen, dass sich das Atemgas so weit ausdehnt, dass Dichtungen an der Flasche zerstört werden und das Atemgas entweichen kann.

Die Gasgesetze sind hier zwar einzeln beschrieben, meist bilden jedoch zwei oder mehrere Gesetze zusammen die Grundlage für die Beurteilung der physikalischen Grundlagen bestimmter Situationen beim Tauchen. Dies hängt damit zusammen, dass die Gesetze korrekt nur für ideale Gase gelten. Für ein Gasgemisch wie unsere Atemluft gelten die Gesetze nur mit einer gewissen, für unsere Belange jedoch vernachlässigbaren Genauigkeit. Zum Zweiten hat eine Veränderung in der Regel Auswirkungen auf mehrere andere Aspekte.

Die Temperaturveränderung eines Gasgemisches hat nicht nur eine Volumenänderung zur Folge (Gesetz von Gay-Lussac), sondern bewirkt auch eine Druckveränderung. Die Flaschenfüllung mit veränderten Gasgemischen ändert nicht nur die Partialdrücke des Gemisches (Gesetz von Dalton), sondern hat auch Auswirkungen auf die Löslichkeit der Gase (Gesetz von Henry).

Für unsere Belange sind die Beschreibungen und die ableitbaren Konsequenzen jedoch hinreichend genau.

Das Element Wasser

Wasser ist ein Grundbaustein allen

Lebens auf der Erde. Ohne Wasser kann kein Lebewesen auf der Erde bestehen.

Über 70% der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt.

Wasser ist nicht nur ein lebensnotwendiges Element, es ist auch ein Element mit unschätzbarem Wert für die Lebens- und Freizeitgestaltung. Wir lernen schwimmen und tauchen, wir fahren zum Meer oder an einen See, um uns zu erholen und wir verbringen unsere Freizeit am und im Wasser. Wir kennen Wasser in seiner flüssigen Form, in seiner festen Form als Eis und in seiner gasförmigen Form als Wasserdampf. Mehr als 95% des auf der Erde vorkommenden Wassers ist Salzwasser und verteilt sich auf die großen Weltmeere.

2.3.1 Eigenschaften des Wassers

Die Eigenschaften des Wassers sind sehr stark von der Temperatur und vom Druck abhängig. Unter normalen Bedingungen siedet Wasser bei 100 °C (wird zu Wasserdampf) und erstarrt bei 0 °C (wird zu Eis).

Wasser hat im Vergleich zu anderen Flüssigkeiten und vor allem auch im Vergleich zur Luft eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit. Wasser kann durch Konvektion, den Wärmeaustausch durch Berührung, sehr schnell Wärmeenergie aufnehmen (wenn der im Wasser befindliche Körper wärmer ist als das umgebende Wasser) oder abgeben (wenn der im Wasser befindliche Körper kälter ist als umgebende Wasser).

Wasser ist in seinem reinen Zustand geschmacks- und geruchlos.

Bedingt durch die größere Dichte des Wassers im Vergleich zur Luft wird das Licht an der Wasseroberfläche gebrochen mit der Folge, dass du Objekte im Wasser von der Oberfläche aus an einem anderen Ort siehst (optische Täuschung). Gleichzeitig werden die Farben des Lichts im Wasser absorbiert, die Farben werden nach und nach vollständig aufgenommen.

Reines Wasser besitzt einen hohen elektrischen Widerstand, ist kaum leitend. Im Wasser gelöste Salze und Säuren erhöhen die elektrische Leitfähigkeit jedoch um ein Vielfaches.

Die Schallgeschwindigkeit im Wasser beträgt im Durchschnitt ca. 1435 Meter pro Sekunde m/sec..

Der Schall ist damit im Wasser ungefähr 4 mal schneller als in der Luft (Schallgeschwindigkeit in der Luft: ca. 330 m/sec.).

Salzwasser, also das Wasser der Meere, hat eine höhere Dichte als Süßwasser und gibt damit mehr Auftrieb (darauf gehen wir im weiteren Verlauf noch ein). Das Salzwasser erzeugt auch einen um ca. 3% höheren Druck. Diesen höheren Druck berücksichtigen moderne Tauchcomputer mit der entsprechenden Einstellung bei der Berechnung der Tauchgangsdaten. Für die Tauchgangsberechnung mit Tabellen (auch hierauf gehen wir im weiteren Verlauf noch ein) kann dieser erhöhte Druck vernachlässigt werden.

2.3.2 Wahrnehmung im und unter Wasser 

Die Eigenschaften des Wassers führen letztlich auch dazu, dass dich deine an die Luft angepasste Wahrnehmung „in die Irre führt“.

Besonders das Sehen und das Hören ist im Wasser anders als du es von deinem Aufenthalt an der Luft gewohnt bist.

 2.3.3. Sehen 

Das menschliche Auge ist für das scharfe Sehen unter Wasser nicht gebaut. Sicherlich hast du beim Tauchen ohne Tauchmaske schon bemerkt, dass du dann verschwommen siehst. Das liegt an der stärkeren Brechung des Lichts im Wasser. Mit dem Aufsetzen der Tauchmaske hast du einen luftgefüllten Raum vor deinen Augen, in dem das Licht so gebrochen wird, das im Auge wieder scharfe Bilder entstehen können.

Mit dem Aufsetzen der Tauchmaske können wir zwar wieder scharf sehen, dennoch führen die physikalischen Eigenschaften des Wassers zu einigen Besonderheiten des Sehens.

Die erste Besonderheit ist, dass du alle Gegenstände um ein Drittel größer und um ein Viertel näher wahrnimmst als sie tatsächlich sind.

33% größer & 25% näher

Du wirst es schnell merken, wenn du nach einem Gegenstand oder deinem Buddy greifen möchtest und dich plötzlich wunderst, dass deine Arme zu kurz sind. Ebenso solltest du den mit weit auseinander gerissenen Armen vorgenommenen Größendarstellungen der gesehenen Fische anderer Taucher mit Skepsis begegnen.

Die zweite Besonderheit des Sehens unter Wasser betrifft das Sehen von Farben. Wie du weißt, setzt sich unser Licht aus mehreren Farben zusammen, die erst im Zusammenspiel unser weißes Tageslicht ergeben. Diese Spektralfarben des Lichts - die Spektralfarben des Lichts sind übrigens bei einem Regenbogen sichtbar - haben unterschiedliche physikalische Eigenschaften, die dazu führen, dass die Farben des Lichts in unterschiedlichen Tiefen vom Wasser absorbiert, „verschluckt“ werden. Das rote Licht wird bereits in einer Tiefe von 6 - 7 m absorbiert, das grüne Licht bei ca. 30 m Wassertiefe. Darunter erscheint alles nur noch blau.

Um die Farben der Gegenstände und Lebewesen richtig zu sehen, solltest du immer eine Lampe dabei haben. Mit ihrer Hilfe kann man die absorbierten Farben wieder sichtbar machen.

2.3.4 Hören

Da die Schallgeschwindigkeit unter Wasser mehr als viermal so hoch als in der Luft ist, werden Geräusche sehr weit transportiert. Auch sehr weit entfernte Geräuschquellen kann der Taucher also wahrnehmen.

An der Luft bist du aber auch dazu in der Lage, Geräuschquellen zu orten, also zu bestimmen, aus welcher Richtung und - mit einer gewissen Unsicherheit - aus welcher Entfernung ein Geräusch kommt. Diese Fähigkeit beruht darauf, dass Geräusche mit einem minimalen Zeitunterschied an den Ohren und ihren Sinnesnerven ankommen. Das Gehirn ist in der Lage, diese minimalen Zeitunterschiede zu verarbeiten und daraus Richtung und Stärke der Geräuschquelle zu berechnen.

Durch die deutlich höhere Schallgeschwindigkeit im Wasser kommen die Geräusche mit zu geringen Zeitunterschieden an den Ohren an und du bist nicht mehr in der Lage, Richtung und Entfernung einer Schallquelle zu orten.

Dies hat für dich zur Folge, dass du immer nachschauen musst, woher gehörte Geräusche kommen. Die Geräuschquelle kann weit weg und unbedenklich sein, sie kann aber auch ganz in der Nähe liegen und eine potentielle Gefährdung darstellen. Denk nur an einen laufenden Schiffsmotor.

Medizin:

7.2 Lungen und Atmung

Die Lungen des Menschen befinden sich im Brustkorb und füllen diesen fast komplett aus. Die Lungen sind über die Bronchien mit der Luftröhre verbunden. In den kleinsten Gefäßen der Lungen, den Alveolen (Lungenbläschen), findet der Gasaustausch mit dem Blut statt. Hier gelangt der Sauerstoff (O2) aus der eingeatmeten Luft in das Blut und Kohlendioxid (CO2) aus dem Blut in die auszuatmende Luft.

Der Reiz zum Atmen kann willentlich nur begrenzt beeinflusst werden. Dieser Reiz wird im Wesentlichen durch den CO2-Partialdruck im arteriellen Blut gesteuert. Steigt der CO2-Partialdruck im arteriellen Blutkreislauf über einen bestimmten Wert (allgemein wird der Wert von 80 mbar ppCO2 angenommen) kann der Atemreiz nicht mehr unterdrückt werden.

Der CO2-Partialdruck im arteriellen Blut kann dann ansteigen, wenn das im Körper produzierte CO2 die Menge CO2 übersteigt, die abgeatmet werden kann, beispielweise bei schwerer Arbeit. Hierauf reagiert der Körper normalerweise mit einer schnelleren Atmung. Der CO2-Partialdruck im arteriellen Blut kann aber auch dadurch ansteigen, dass das Ausatmen und damit das Abatmen des CO2 willentlich unterbleibt, beispielsweise beim Luftanhalten oder beim Tauchen ohne Gerät.

Wenn du deine Atmung bewusst beobachtest, wirst du feststellen, dass deine Atmung ausatemorientiert ist. Ausatemorientiert heißt, dass du nach dem Einatmen direkt wieder ausatmest und anschließend eine mehr oder weniger lange Atempause einsetzt. Diesen Atemrhythmus solltest du auch beim Tauchen beibehalten. Achte darauf. 

7.2.1 Atemminutenvolumen und Luftverbrauch

Das Atemminutenvolumen (AMV) gibt an, wieviel Luft (in Litern) pro Minute eingeatmet wird. Die Kenntnis des AMV ist für den Taucher wichtig, da hiermit in der Tauchgangsplanung berechnet werden kann, wie lange der Luftvorrat für einen Tauchgang in einer bestimmten Tiefe unter Beachtung der Sicherheitsrichtlinien ausreicht.

Zur Berechnung des AMV benötigst du die Atemfrequenz (Anzahl der Atemzüge pro Minute) und das Atemzugvolumen (Volumen der eingeatmeten Luft bei einem Atemzug). Die Atemfrequenz liegt bei einem gesunden, erwachsenen Menschen durchschnittlich bei 15 Atemzügen pro Minute, das Atemzugvolumen beträgt in Ruhe ca. 500 - 600 Milliliter (ml). Das durchschnittliche AMV eines gesunden, erwachsenen Menschen beträgt an der Oberfläche und in Ruhe somit

15 (Atemzüge/Minute) x 500/600 (ml/Atemzug) = 7,5 – 9,0 l/min.

Für die Berechnung des Luftverbrauchs beim Tauchen musst du jedoch den Umgebungsdruck in der Tiefe mit berücksichtigen, da die Luftmenge, die verbraucht wird, mit zunehmendem Umgebungsdruck größer wird (Gesetz von Boyle-Mariotte). Die gesamte Luftmenge, die während eines Tauchgangs verbraucht wird, kannst du berechnen, indem du das Flaschenvolumen (in Liter) mit dem

Verbrauch (in bar) multiplizierst.

Luftverbrauch =

Flaschenvolumen [l] x (Flaschendruck Beginn – Flaschendruck Ende) [bar]

Damit hast du also den gesamten Luftverbrauch während eines Tauchgangs ausgerechnet. Um das AMV beim Tauchen nun zu berechnen, musst du den gesamten Luftverbrauch mit dem Umgebungsdruck deiner durchschnittlichen Tiefe und der Tauchzeit in Beziehung setzen. Somit kannst du das AMV beim Tauchen berechnen mit:

AMV = Luftverbrauch / (Umgebungsdruck (Ø Tiefe) x Tauchzeit)

Ein Beispiel: Das Volumen deiner Tauchflasche beträgt 12 Liter. Vor Beginn des Tauchgangs zeigt dein Finimeter 200 bar, zum Ende 60 bar. Dein Tauchgang hat eine durchschnittstiefe von 8,5 Metern und dauerte 35 Minuten. Wie hoch ist dein AMV?

         12 l x (200 – 60) bar / (1,85 bar x 35 min)

         = 1680 barl / 64,75 barmin

         = 25,94 l/min

Das AMV unter Wasser ist – bedingt durch den Umgebungsdruck und den damit zusammenhängenden Volumenveränderungen der Atemluft – größer als an der Oberfläche. Bedenke, dass dein Luftverbrauch unter Wasser zusätzlich noch von vielen anderen Faktoren wie beispielsweise von der Strömung, von den Temperaturen unter Wasser und unter Umständen von schlecht sitzender Ausrüstung beeinflusst werden kann. Plane deinen Luftverbrauch unter Wasser daher konservativ.

Im Folgenden wollen wir auf drei wichtige Phänomene eingehen, die die Atmung betreffen und die für den Taucher von besonderer

Bedeutung sind, die Hyperventilation, das Essoufflément und das Air-Trapping.

7.2.3 Essoufflément - Außer Atem kommen

Der Begriff Essoufflément kommt - wie es die Schreibweise verrät - aus dem Französischen und heißt wörtlich übersetzt „außer Atem kommen“ bzw. „Atemlosigkeit“. Grundlage des Essoufflément ist eine CO2-Vergiftung durch eine unkontrollierte Atmung. In einem sich verstärkenden Kreislauf äußert es sich zunächst in einer flacher und schneller werdenden Atmung, die zu einem schleichenden Anstieg des CO2-Partialdrucks (ppCO2) im arteriellen Blut führt. Der steigende CO2-Partialdruck wiederum hat eine weitere Steigerung des Atemreizes zur Folge und sorgt dafür, dass die Atmung noch schneller und flacher wird.

Das Essoufflément tritt vor allem bei Tauchgängen in großer Tiefe und bei gleichzeitiger körperlicher Anstrengung auf. Dies hängt

damit zusammen, dass die Atemarbeit durch den Umgebungsdruck auf die Atemorgane bereits erschwert ist - das Aufblähen der Lungen braucht mehr Kraft - und gleichzeitig dichtere Atemluft - entsprechend dem Gesetz von Boyle-Mariotte – in die Lungen eingesogen werden muss.

Ein Essoufflément ist ein ernst zu nehmender Zwischenfall (auf andere mögliche Zwischenfälle beim Tauchen gehen wir später noch ein). Der Tauchpartner muss dem Betroffenen sofort helfen. Es ist dringend erforderlich, unter Beachtung der Auftauchgeschwindigkeit, höher zu steigen. Dabei muss der Tauchpartner verhindern, dass der Betroffene zu schnell aufsteigt. Schon während des Aufstiegs werden die Symptome nachlassen und schließlich ganz verschwinden.

Durch eine gute Fitness kann jeder Taucher dem Auftreten eines Essoufflément vorbeugen. Die Vermeidung körperlicher Anstrengung in großer Tiefe mindert ebenso die Gefahr eines Essoufflément. Rauchen wird allgemein als Risikofaktor für das Auftreten eines Essoufflément angesehen.

7.2.4 Air Trapping

Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern air (= Luft) und trapping (= fangen) und bedeutet, dass die Luft aus den Lungen nicht abgeatmet werden kann, sondern in den Lungen gefangen bleibt. Ein air-trapping wird begünstigt durch alle Formen der Atemwegserkrankungen (Erkältung, Bronchitis, Asthma u.ä.) aber auch durch Allergien (z.B. Heuschnupfen), die die Atmung beeinträchtigen.

Für den Taucher kann ein auftretendes air-trapping fatale Folgen haben. Wenn eingeatmete Luft in der Aufstiegsphase nicht aus den Lungen entweichen kann, kommt es unweigerlich zu einer Lungenüberdehnung und einem Barotrauma der Lungen (hierauf gehen wir im Weiteren noch ein).

Die Gesundheit der Atemwege ist für jeden Taucher lebenswichtig. Es sollte für jeden Taucher selbstverständlich sein, bei jedweder Art der Atemwegserkrankungen auf das Tauchen zu verzichten. Dazu gehört auch, dass Taucher, die Medikamente zur Atemwegsbehandlung einnehmen, auf das Tauchen verzichten. Starkes Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor für das Auftreten eines air-trapping.

7.3 Nasennebenhöhlen

 Bei den Nasennebenhöhlen handelt es sich um vier jeweils paarig vorliegende, luftgefüllte Hohlräume, die dem Atmungsapparat der Nase zugeordnet werden. Alle Nasennebenhöhlen sind mit einer Schleimhaut ausgestattet und damit auch Entzündungsanfällig. Entzündungen der Nasennebenhöhlen können wegen der engen Zugänge zu Verschlüssen dieser Zugänge führen mit der Folge, dass beim Tauchen Druckunterschiede verbunden mit starken Schmerzen auftreten können.

Das Tauchen sollte bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen, vor allem aber auch bei einer         abklingenden Entzündung    und  beim Einsatz schleimlösend und abschwellend wirkender Medikamente (z.B.Nasenspray) unterbleiben.

4.1 Barotraumen und ihre möglichen Folgen

Ein Barotrauma ist eine durch die Änderung des Umgebungsdrucks verursachte Verletzung eines gasgefüllten Hohlraumes oder dessen Hülle. Die Änderung des Umgebungsdrucks verursacht - sofern er nicht ausgeglichen werden kann - Volumenänderungen des Gases in dem Hohlraum (Gesetz von Boyle-Mariotte).

Veränderungen des Umgebungsdrucks gibt es beim Tauchen in der Abtauch- und in der Auftauchphase.

Barotraumen in der Abtauchphase mit kritischen Folgen sind nicht häufig, da der Druckausgleich entweder automatisch erfolgt (Lungen) oder ein Misslingen des aktiven Druckausgleichs (Ohr) in der Regel zum Abbruch des Tauchgangs führt.

In der Auftauchphase entstehen Barotraumen dadurch, dass Luft aus einem Hohlraum im Körper nicht entweichen kann (air-trappings) und sich dann durch die Druckveränderungen beim Auftauchen (Gesetz von Boyle-Mariotte) in dem Hohlraum ausdehnt.

In der Auftauchphase entstehende Barotraumen haben aus zwei Gründen deutlich schwerwiegendere Folgen. Zum einen kann die Ursache des air-trapping häufig nicht behoben werden, zum zweiten kann der Aufenthalt unter Wasser auf Grund des begrenzten Luftvorrates nicht unendlich ausgedehnt werden.

Einem Barotrauma vorbeugen kannst du dadurch, dass du deinen Gesundheitszustand jederzeit (selbst-)kritisch überprüfst und beurteilst und im Zweifelsfall auf einen Tauchgang verzichtest. Dazu gehört auch, dass du auf Medikamente verzichten musst, die abschwellende Wirkung auf die Schleimhäute haben (z.B. Nasenspray). Deren Wirkung kann im Laufe eines Tauchgangs nachlassen, wodurch im Folgenden auch ein Druckausgleich verhindert werden kann.

4.1.1 Barotrauma der Lunge

Ursache eines Barotraumas der Lungen ist immer, dass die sich beim Aufstieg ausdehnende Luft aus den Lungen nicht abströmen kann. Schon ein Druckunterschied von 0,1 bar, entsprechend einem Aufstieg von 1 m ohne Druckausgleich, kann zu einer Überdehnung der Lungen führen. 

Ein Barotrauma der Lungen führt zu einer Rissverletzung an den Atemorganen und ist immer ein ernst zu nehmender Unfall. In Abhängigkeit vom Ort des Auftretens der Verletzung und der Schwere des Barotraumas kommt es zu unterschiedlichen Verletzungsfolgen.

Kann nach einem Lungenriss Luft in den Pleuraspalt eindringen kommt es zu einem Pneumothorax:

 einströmende Luft in die

Brusthöhle verursacht ein mediastinales und/oder ein subkutanes Emphysem. Kommt es zu einer Verletzung der Lungenbläschen, so dass die sich ausdehnende Luft in den arteriellen Blutkreislauf gelangt, entsteht eine arterielle Gasembolie.

 4.1.2 Pneumothorax

Der Pleuraspalt ist ein mit Flüssigkeit gefüllter,

dünner Spalt zwischen

dem inneren und dem äußeren Brustfell. Gleichzeitig besteht im Pleuraspalt ein Unterdruck. Der Unterdruck sorgt dafür, dass die Lungen aufgebläht bleiben, die Flüssigkeit im Pleuraspalt sorgt dafür, dass die Lungen und das Brustfell bei der Bewegung des Brustkorbs nicht aneinander reiben.

Gelangt nun Luft wegen eines Lungenrisses in den Pleuraspalt, geht der Zusammenhalt des inneren und äußeren Brustfells verloren. Die Lungen folgen nicht mehr den Bewegungen des Brustkorbs und ein oder beide Lungenflügel fallen ganz oder teilweise in sich zusammen. In der Folge entwickelt der Betroffene Atemnot und starke Schmerzen in der Brust. In schweren Fällen kann es zu erheblichen Kreislaufproblemen mit beschleunigtem Herzschlag und zu einem Lungenversagen kommen.

4.1.3 Mediastinales und subkutanes Emphysem

Ein Emphysem bezeichnet einen Zustand, bei dem sich mehr Luft an einer Körperstelle befindet als dies unter normalen Bedingungen der Fall ist. Ein Emphysem kann überall im Körper auftreten.

Ein mediastinales Emphysem - Luftansammlung im Mittelfellraum des Brustkorbs - entsteht, wenn die Rissverletzung durch das Barotrauma der Atemwege nicht die Lungen selbst, sondern die Bronchien betrifft. Die einströmende Luft verursacht beim Betroffenen vor allem Schmerzen in der Herzgegend. Ein mediastinales Emphysem tritt häufig zusammen mit einem Pneumothorax auf. 

Bei einem subkutanen Emphysem (subkutan = unter der Haut) befindet sich die Luftansammlung direkt unter der Haut, in der Regel im Bereich der Schultern, dem Nacken oder des Halses. Erkennbar ist das subkutane Emphysem häufig an einer Blase unter der Haut. Befindet sich das subkutane Emphysem in der Nähe der Luftröhre, sind Probleme bei der Atmung die Folge.

4.1.4 Arterielle Gasembolie (AGE)

Unter einer Embolie versteht man den vollständigen oder

teilweisen Verschluss eines Blutgefäßes. Für die arterielle Gasembolie (AGE) heißt dies, dass der Verschluss sich im arteriellen Kreislauf befindet und der Verschluss durch ein Gas verursacht ist.

Bei der Entstehung der AGE verursacht das Barotrauma in den Lungen das Platzen der kleinsten Lungenbläschen, der Alveolen. In der Folge kommt es durch den hohen Druck in den Lungen dazu, dass Luft durch die geplatzten Alveolen in den arteriellen Blutkreislauf gepresst wird. Diese in den arteriellen Blutkreislauf eingespeiste Luft bildet Blasen, die durch das Blut weiter transportiert werden. In den sich verengenden Blutgefäßen bleiben die Luftblasen irgendwann stecken und führen zum Verschluss.

Der Betroffene kann Sprach-, Seh- und Gleichgewichtsstörungen entwickeln aber auch schwere Symptome wie Lähmungen und Herz-/Kreislaufprobleme bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand erfahren.

Eine AGE ist ein schwerwiegendes und lebensbedrohendes Problem.

4.1.5 Barotrauma der Nasennebenhöhlen und Ohren

Wie bereits beschrieben, sind die Nasennebenhöhlen starre, durch enge ebenfalls knöcherne Verbindungsgänge mit dem

Nasen-Rachen-Raum verbundene Hohlräume im Kopf.

Sie sind mit Schleimhäuten überzogen. Durch eine infektionsbedingte Schwellung der Schleimhäute sowohl im Nase-Rachen-Raum als auch den Nasennebenhöhlen kann ihre Belüftung behindert werden.

Ein Barotrauma der Nasennebenhöhlen ist bei gesunden Schleimhäuten ausgeschlossen, also nur möglich, wenn der Betroffene - wider besseren Wissens - trotz einer Infektion einen Tauchgang unternimmt.

Beim Barotrauma des Ohres muss zwischen dem Barotrauma des Außen-, des Mittel- und des Innenohres unterschieden werden.

Das Barotrauma des Außenohres ist unter normalen Umständen nicht möglich, da sich das Außenohr normalerweise mit Wasser füllt. Entzündungen, Ohrenstöpsel oder eine zu eng sitzende Kopfhauben können jedoch die Flutung des Außenohres verhindern und im Außenohr befindliche Luft einschließen. Schwellungen und Einblutungen im Gehörgang und in schweren Fällen der Einriss des Trommelfells können die Folge sein.

Um ein Barotrauma des Außenohres zu verhindern und um einen besseren Druckausgleich zu garantieren, solltest du zu Beginn des Tauchganges deine Kopfhaube kurz mit Wasser fluten. So kann Wasser in das Außenohr gelangen und du kannst einem Problem vorbeugen.

Das Barotrauma des Mittelohres wird verursacht durch eine Belüftungsstörung der Eustachischen Röhre (offene Verbindung zwischen Mittelohr und Rachenraum) und kann sowohl in der Abtauch- als auch in der Auftauchphase zu einem sehr schmerzhaften Riss des Trommelfells führen. 

Das Barotrauma des Innenohrs ist die deutlich schwerwiegendste Form, da das Innenohr das eigentliche Hörorgan ist. Im Innenohr werden die Schallimpulse in Nervenimpulse umgewandelt, die an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet werden können.

Zu einem Barotrauma des Innenohres kann es sowohl in der Abtauch- als auch in der Auftauchphase kommen. In der Abtauchphase ist es möglich, dass ein zu heftiger, aktiver Druckausgleich (Valsalva-Manöver) zu einer Schädigung des Innenohres führt. In der Auftauchphase ist ein Barotrauma des Innenohres die Folge eines air-trappings im Mittelohr, dass wiederum durch eine behinderte Belüftung der Eustachischen Röhre hervorgerufen wird. Hörverlust und ein Tinnitus (Ohrgeräusche), sowie mehr oder weniger heftiger Drehschwindel sind die typischen Symptome. Der Betroffene klagt auch häufig über das Gefühl, Flüssigkeit im Ohr zu haben.

Dem Barotrauma des Ohres kann vorgebeugt werden, in dem der aktive Druckausgleich direkt nach dem Abtauchen begonnen wird und ständig wiederholt wird. Bei Problemen mit dem Druckausgleich solltest du wie bereits beschrieben zunächst in der Tiefe verharren, gegebenenfalls wieder etwas aufsteigen und den Druckausgleich erneut versuchen. Sollte der Druckausgleich nicht gelingen, muss der Tauchgang abgebrochen werden.

Im Zusammenhang mit der möglichen Blockierung der Eustachischen Röhre und der Infektionen der Schleimhäute ist die (selbst-)kritische Prüfung und Beurteilung des eigenen Gesundheitszustandes vor jedem Tauchgang entscheidend. Auf die Verwendung abschwellend wirkender Medikamente (z.B. Nasenspray) sollte grundsätzlich verzichtet werden.

4.2  Dekompressionskrankheiten (DCS)

Aus dem Gesetz von Henry (Kapitel 2) weißt du, dass der Aufenthalt unter Druck dazu führt, dass eine erhöhte Menge Atemgas im Blut und vor allem auch im Gewebe gelöst wird. In Abhängigkeit vom

bestehenden Umgebungsdruck, der Aufenthaltsdauer und der

Zusammensetzung des Atemgases, aber auch der Art des Gewebes, in dem das Gas abgelagert wird, entsteht die Aufsättigung unterschiedlich schnell. Für die Entstehung einer Dekompressionskrankheit (DCS = engl.: decompression sickness) ist ausschließlich die Aufsättigung mit Stickstoff (N2) von Bedeutung, da der Stickstoff (N2) als Füll- oder Inertgas am Stoffwechsel des Körpers nicht beteiligt ist.

Bei jeder Tiefenreduzierung während des Tauchgangs, also

besonders zum Ende des Tauchgangs beim Aufstieg, ergibt sich durch den sinkenden Umgebungsdruck in den Geweben eine relative Übersättigung mit Stickstoff (N2), die beseitigt werden muss. Dieser Vorgang braucht jedoch Zeit, dem du durch einen langsamen Aufstieg und das Einhalten von Sicherheitsstopps entgegen kommst.

Tritt die Druckreduzierung schnell oder plötzlich ein, wird die

Löslichkeit des Stickstoffs (N2) im Gewebe sehr schnell reduziert, so tritt der Stickstoff (N2) aus dem Gewebe aus und bildet in anderem Körpergewebe oder im Blut Gasblasen.

Kleinere Mengen Gasblasen treten bei jedem Tauchgang auf und werden vom Körper gut toleriert.

Zu viele Gasblasen oder große Gasblasen können jedoch das Gewebe schädigen, im Blut können die Gasblasen zu Embolien führen.

Reduziert werden kann die vermehrte Blasenbildung nur durch eine langsame Anpassung an den sinkenden Umgebungsdruck, also durch ein langsames Auftauchen. In keinem Fall darf die Auftauchgeschwindigkeit von 10 m/min. überschritten werden - für die letzten 10 m des Auftauchens empfehlen wir sogar eine Auftauchgeschwindigkeit von maximal 6 m/min. Die Einhaltung der Sicherheitsstopps nach Tauchgängen, die in einer Tiefe unterhalb von 10 m stattgefunden haben, sollte dir in der Auftauchphase zur Pflicht werden. Grundvoraussetzung ist die Einhaltung der Nullzeiten.

Deine Nullzeit wird dir beim Tauchen durch Tabellen oder

Tauchcomputer vorgegeben. Weitere Informationen dazu findest du in Kapitel 6.

Ein Risikofaktor für das Auftreten einer DCS ist es auch, wenn mehrere Tauchgänge hintereinander durchgeführt werden (Wiederholungstauchgänge), die Wiederholungstauchgänge in großen Tiefen durchgeführt werden und die Oberflächenpausen kurz sind. Wie du weißt, besteht auch nach einem Tauchgang, bei dem alle Sicherheitsregeln beachtet wurden, eine Reststickstoffsättigung im Körper, die sich an der Oberfläche erst langsam abbaut. Mit einem (oder mehreren) Wiederholungstauchgang/-tauchgängen wird also zu der bestehenden Reststickstoffsättigung weiterer Stickstoff aufgenommen.

In Abhängigkeit von der Schwere der DCS wird zwischen Typ I -

Typ III unterschieden. Bei der DCS Typ I stehen Schmerzen und Beschwerden in der Haut und in den Gelenken im Vordergrund. Bei der DSC Typ II kommt es zusätzlich zu schweren, zum Teil lebensbedrohlichen Beschwerden. Typ III beschreibt die Langzeitschäden bei Tauchern nach solchen Unfällen.

4.2.1 DCS Typ I und Typ II

Wie du weißt, treten die Symptome einer Verletzung auf der Basis eines Lungen Barotraumas sofort auf.

Dies ist bei der DSC Typ I nicht der Fall. In drei von vier Fällen treten die ersten Symptome erst im Verlauf der ersten Stunde nach dem letzten Tauchgang auf, möglich ist es jedoch auch, dass erste Symptome erst nach 24 Stunden auftreten. Typische Symptome der DSC Typ I sind Hautverfärbungen und mehr oder weniger stark juckende Hautveränderungen (Taucherflöhe), Schmerzen in den großen Gelenken und muskelkaterähnliche Bewegungsschmerzen.

Bei der DCS Typ II kommt es - neben allen Symptomen, die bei der DCS Typ I auftreten - zu erheblichen starken Beschwerden, die zum Teil lebensbedrohend sind. Es können auch das Zentralnervensystem, das Herz und die Lungen betroffen sein. Häufig auftretende Symptome sind Lähmungen, Seh- und Hörverlust. Bewusstlosigkeit und Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand sind sicherlich die

schwerwiegendsten Folgen. 

Unter einer DSC Typ III Erkrankung werden Langzeitschäden bei Tauchern zusammengefasst. Als Berufserkrankungen sind derzeit anerkannt:

·       die aseptische Knochennekrose

·       Hörschädigungen

·       Netzhautschäden

·       sowie neurologische Folgeschäden, nicht behobene DCS

         Typ II

Daraus folgt je weniger Stickstoff wir zu uns nehmen, desto geringer ist das Risiko an einer Dekompressionskrankheit zu erkranken. Neben konservativen Tauchtechniken kann dazu auch das Tauchen mit einem Atemgas mit weniger Stickstoff in der Gasmischung erheblich bei Tragen. Frage dazu deinen Tauchlehrer nach dem

Spezialkurs Nitrox 32 SUP oder Nitrox 40. 

Symptome Deco Unfall…

... verschwende keine Zeit!

Erste Hilfe Maßnahmen:
  •          Gabe von reinem Sauerstoff (wichtigste Maßnahme)
  •         Bei Bewusstlosigkeit Überwachung der Vitalfunktionen,
  •          stablie Seitenlage
  •         HLW bei aussetzender Vitalfunktion, Beatmung möglichst unter Gabe von                       reinem Sauerstoff, gegebenenfalls Einsatz AED.
  •         Kälteschutz
  •        Bei Bewusstsein Flüssigkeitszufuhr
  •        Einleitung der Druckkammerbehandlung mit hyperbarem Sauerstoff

4.3 Verhalten nach Tauchunfällen

Alle Tauchunfälle sind grundsätzlich als Notfallsituation zu

behandeln. Die beinhaltet auch, dass vor einem Tauchgang, erst recht wenn dieser in einem fremden Gewässer geplant ist, wichtige Dinge geklärt sind.

Dazu gehört die Beantwortung folgender Fragen:

·       Wie kann Hilfe gerufen werde? (Handy (Netz?), Funk,

         Festnetztelefon u.ä.)

·       Wo ist der nächste Arzt, nächstes Krankenhaus?

·       Gibt es einen Notfallkoffer, eine Sauerstoffflasche?

·       Wie erreichen Helfer den Tauchplatz?

·       Ist der Unfall dann aber doch passiert, muss die betroffene

         Person notfallmäßig versorgt werden.

Da sich die Symptome der meisten Tauchunfälle für den Ersthelfer kaum unterscheiden lassen, sind die Ersthelfermaßnahmen auch identisch. 

Die wichtigste Maßnahme ist die Überprüfung der Vitalfunktionen (Herz-Kreislauf-Funktion und Atmung) und die entsprechende Reaktion. Dies ist der Grund, weshalb du in Erster Hilfe ausgebildet sein solltest und deine Kenntnisse kontinuierlich auffrischen solltest. 

Wenn möglich, sollte auf jeden Fall 100%-iger Sauerstoff (O2) bis zum Eintreffen der Rettungskräfte gegeben werden. Wenn der Verletzte ansprechbar ist, solltest du ihn auf jeden Fall zum Trinken auffordern und ihn beruhigen.

Neben der Notversorgung des Unfallopfers ist die Anforderung professioneller Hilfe zwingend erforderlich. Hierbei ist es auch dringend notwendig, die Rettungskräfte bei der Anforderung darauf hinzuweisen, dass es sich um einen Tauchunfall handelt. Darüber hinaus muss die Ausrüstung des Partient sichergestellt werden. Die Ausrüstung hilft dabei, die Unfallursache herauszufinden. Der Tauchcomputer ist für den behandelnden Arzt eine wichtige Informationsquelle.

Optimal ist es, die Erste Hilfe /AED /O2 Ausbildung bei deinem

Tauchlehrer zu belegen, die dir Möglichkeiten gibt, falls eine entsprechende Situation eintreten sollte, gezielt helfen zu können. 

Wahrscheinlich benötigst du die Kenntnisse nie, aber es gibt dir zumindest ein gutes Gefühl, vorbereitet zu sein.

Ein Tauchunfall, besonders dann, wenn auch eine Behandlung in einer Druckkammer nötig wird, bedeutet sowohl im In- als auch im Ausland eine außerordentliche finanzielle Belastung.

Krankenversicherungen übernehmen diese Kosten häufig nicht. 

Wir empfehlen dir daher, eine spezielle Taucherunfallversicherung abzuschließen.

4.5 Mögliche Zwischenfälle während eines Tauchgangs

Zwischenfälle während eines Tauchgangs sind trotz gründlicher Vorbereitung und trotz Beachtung aller Sicherheitsregeln niemals ganz auszuschließen.

Grundsätzlich gilt die Regel, dass Probleme und Schwierigkeiten, die unter Wasser auftreten, auch unter Wasser gelöst werden. Dazu ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Kommt es also unter Wasser zu einem Problem oder einem Zwischenfall gilt es:

   damit du dich auf das Problem konzentrieren kannst 

  damit du zur Ruhe kommst

       damit du das Problem analysieren kannst

damit du das Problem lösen kannst

Neben dem Essoufflément, worauf wir in Kapitel 7 eingehen, möchten wir an dieser Stelle auf mögliche Situationen und die richtige Reaktion eingehen.

Tiefenrausch

Bei allen Problemen, die deinen Tauchpartner betreffen, ist die erste Maßnahme der Blickkontakt zu deinem Tauchpartner. Schau deinem Tauchpartner in die Augen, gegebenenfalls stelle gegebenenfalls physischen Kontakt her. Dein Tauchpartner wird dadurch wahrscheinlich schon Ruhe gewinnen und verstehen, dass er nicht alleine ist.

Der Tiefenrausch wird auch als Gas-Narkose bezeichnet. Letztlich beruht der Tiefenrausch darauf, dass die Gase (vorrangig Stickstoff (N2)) die Funktion der Nervenzellen im Zentralnervensystem beeinflusst und narkotisierend wirkt.

Wie du aus dem Gesetz von Dalton weißt, steigen mit zunehmendem Umgebungsdruck auch die Partialdrücke der an unserer Atemluft beteiligten Gase. Allgemein wird davon ausgegangen, dass der Stickstoff ab einem Partialdruck (ppN2) von 3,2 bar die narkotisierende Wirkung entfaltet. Dies entspricht beim Tauchen mit Pressluft einer Tauchtiefe von ca. 30 m.

Das Fatale eines Tiefenrauschs ist, dass es für die möglichen Symptome keine eindeutigen Regeln gibt. Sie reichen von euphorischem Verhalten über Halluzinationen bis hin zu panikartigen Reaktionen. Möglich sind aber auch Verwirrung und Wahrnehmungsstörungen. Möglich ist aber auch ein völliges Fehlen von Symptomen. Für den Beobachter völlig verwirrend ist die Tatsache, dass Symptome des Tiefenrausches auch schon in geringeren Tauchtiefen auftreten können und bei ein und derselben Person an verschiedenen Tagen unterschiedlich sein können.

Symptome eines Tiefenrauschs registriert der betroffene Taucher selbst in der Regel nicht. Behalte deinen Tauchpartner daher immer im Auge. Abhilfe schafft das - unter Beachtung der Austauschregeln - Verlassen der Tiefe. Schon während des Aufstiegs werden die Symptome verschwinden.

6.5 Bestimmung der korrekten Bleimenge 

Das Blei beim Tauchen ist ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung. Es ist nötig, um dem zu großem Auftrieb entgegenzuwirken und das Abtauchen zu ermöglichen. Andererseits ist das Blei auch eine Belastung, durch das unsere Schwimmlage verschlechtert und damit ein erhöhter Kraftaufwand unter Wasser nötig wird. Daher heißt der Grundsatz: So viel wie nötig, aber so wenig, wie möglich.

Beeinflusst wird die nötige Bleimenge aber auch von der Ausrüstung, die du trägst. Ein neuer Neoprenanzug hat mehr Auftrieb als ein Alter, genauso wie ein dicker Neoprenanzug mehr Auftrieb hat als ein Dünner. Die Wahl der Tauchflasche, hat ebenso Einfluss auf den Auftrieb. Schließlich hat auch die Art des Wassers Einfluss auf die nötige Bleimenge. Wie du weißt, hat Salzwasser einen größeren Auftrieb als Süßwasser. Du brauchst im Salzwasser also mehr Blei als im Süßwasser.

Die Menge Blei, die du zum Tauchen mitnehmen musst, ist unter Anderem von deiner Atemtechnik abhängig. Zum Beispiel wenn du statt im normalen Rhythmus Einatmen - Ausatmen - Atempause atmen viele Taucher unter Wasser im Rhythmus Einatmen - Pause (Luft anhalten!) - Ausatmen und sofort wieder Einatmen und haben somit immer luftgefüllte Lungen. Die Luft in den Lungen muss durch zusätzliches Blei ausgeglichen werden. Daher ist die richtige Atmung für die korrekte Bleimenge grundlegend. Hinweis: Wir wollen beim Tauchen nicht mit der Einatem orientierten Technik wegen einer Gefahr der Lungenüberdehnung nicht arbeiten.

Aber wie stellst du nun die richtige Bleimenge für eine bestimmte Ausrüstungskonfiguration fest? 

Gehe mit kompletter Ausrüstung ins Wasser, an eine Stelle, wo du nicht mehr stehen kannst. Behalte so viel Luft im Jacket, das du Auftrieb hast und treibst. Leere jetzt dein Jacket und atme normal ein. Mit der Luft in den Lungen und dem leeren Jacket solltest du noch so viel Aufrieb haben, dass auf Nasenhöhe treibst (wenn du jetzt absinkst, hast du zu viel Blei, du bist „überbleit“). Atme kräftig aus. Jetzt solltest du absinken. Gelingt dies, hast du die korrekte Bleimenge. Bedenke, wenn deine Tauchflasche bei dem Bleicheck voll ist, verbrauchst du während des Tauchgangs Luft. Diese Luft wiegt je Liter 1,2 Gramm und du soll am Ende des Tauchganges immer noch genug Abtrieb haben um nicht unkontrolliert aufzusteigen. Füge also z.B. im Falle einer 10 Liter Flasche, die am Ende noch 50 Bar haben soll, 2 KG Blei hinzu. (Startdruck 200 bar = 1500 Liter Luft x 1,2 Gramm = 1,8 KG)

Denke daran, dass die korrekte Bleimenge von der Ausrüstung, mit der du tauchst, abhängig ist. Besonders auch das Material der Pressluftflasche muss berücksichtigt werden. Beim Tauchen mit einer Pressluftflasche aus Aluminium ist zusätzliches Blei notwendig, da die Flasche im Verhältnis zu einer Stahlflasche größer ist und dadurch mehr Auftrieb hat. 

Solltest du eine Tauchflasche mit einem anderen Volumen nutzen, so ist auch hier das Bleigewicht anzupassen.

InhaltMaterialDruck Max.EigengewichtAuftrieb(Süsswasser/Voll)
5 LiterStahl232 bar5,7 kg-1,21 kg
8 LiterStahl232 bar9,75-2,80 kg
10 LiterStahl232 bar11,2 kg-2,64 kg
10 LiterStahl300 bar15 kg-6,79 kg
12 Liter kurzStahl232 bar15,4 kg-4,87
12 Liter langStahl232 bar13,0 kg-2,78
10 LiterAluminium200 bar12,4 kg-0,29
11,1 Liter (80 CUF)Aluminium207 bar14,3 kg-0,75 kg
12 LiterAluminium200 bar16,5 kg-1,37 kg

(Zahlen können je nach Hersteller und Fertigungsverfahren variieren) 

Bei wechselnden Bedingungen oder Ausrüstungskonfigurationen musst du dein benötigtes Blei daher immer neu bestimmen. Der richtige Weg ist einen Bleicheck im Wasser. Da du aber möglichst schon vorher eine ungefähre Bleibestimmung machen möchtest, kannst du mit den folgenden Werten eine grobe Bleimenge vor dem Tauchgang bestimmen.

Hier eine Grobe übersicht bei Tauchen im Süßwasser:

· Shorty = ca. 5% deines Körpergewichtes

· Langanzug 5-7mm = ca. 10% deines Körpergewichtes

Weitere Planungsparameter sind: 

· Wechsel Süßwasser zu Salzwasser + 2 Kg

· Aluflasche anstelle Stahlflasche + 2 Kg

Mit diesen Hilfen kannst du ungefähr deine Bleimenge vorkalkulieren. Probiere es mal aus und schaue, ob diese Werte für dich zutreffen. Bedenke, nicht alle Körper sind gleich und daher ist es nur eine grobe Kalkulation.     

Hinweis: Wenn du mit deinem Tauchpartner einen Buddycheck machst, dann kannst du bei der Kontrolle des Bleis gleich überlegen, ob seine Bleimenge passen kann.

Wir empfehlen dir, die richtigen Bleimengen für die verschiedenen Ausrüstungskonfigurationen und die verschiedenen Bedingungen in deinem Logbuch zu notieren.

6.6 Briefing

Sicherheit beim Tauchen beginnt nicht erst im Wasser. Die ausführliche Besprechung eines geplanten Tauchgangs, das Briefing, mit allen Teilnehmern noch vor dem Anlegen der Tauchausrüstung ist zwingend erforderlich und kann durch nichts ersetzt werden. In einem Briefing wird besprochen

·       wer taucht alles mit, alle Teilnehmer benennen

·       die Beschreibung des Tauchplatzes (Name, maximale

         Tiefe, Bewuchs und Tiere, Sichtverhältnisse,

         Wassertemperatur, Wetterkonditionen, Besonderheiten

         und Gefahren)

·       die Planung des Tauchgangs (Einstieg, maximale

         Tauchtiefe, Tauchzeit, Tauchrichtung, Umkehrpunkt,

         Einteilung Buddyteams, Ausstieg)

·       geplante Übungen (falls vorgesehen, Ablauf)

·       Hand- bzw. Lichtzeichen

·       Hinweis auf Buddycheck, Erfahrung Buddy

·       Verhalten bei Zwischenfällen, Notfall, 

verfügbare Hilfsmittel prüfen, 

Signale (z.B. auh Rückholezeichen)

Beachte: Einige der Briefingelemente kannst du bereits im Vorfeld erarbeiten, einige wie zum Beispiel Wetterkonditonen, Gefahren und Hilfsmittel kannst du erst direkt Vor Ort bestimmen.

6.7 Buddysystem und Buddycheck

Das Buddysystem, also das Tauchen mit mindestens einem Partner, beruht darauf, dass niemals alleine getaucht wird. Von allen Tauchverbänden wird das Buddysystem wegen millionenfacher Bewährung und seiner Vorteile empfohlen.

Der Buddy:

·       hilft beim An- und Ablegen der Tauchausrüstung

·       kontrolliert deine Ausrüstung (Buddycheck)

·       beruhigt und hilft bei Schwierigkeiten unter Wasser

         und

·       zu zweit Tauchen macht einfach mehr Spaß.

·       Mit zunehmender Erfahrung wächst zwar die

         Selbstständigkeit, auf das Buddysystem sollte dennoch

         niemals verzichtet werden.

Der Buddycheck ist einer der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen. Er bedeutet, dass die Tauchpartner jeweils bei dem Partner den

korrekten Aufbau, den korrekten Sitz und die korrekte Funktion der Ausrüstung vor jedem Tauchgang kontrollieren.

Um die einzelnen Schritte des Buddychecks auch durchzuführen und nichts zu vergessen, haben sich Taucher eine Eselsbrücke gebaut. Die Eselsbrücke geht

 COOLE TAUCHER BRAUCHEN SAUBERE LUFT OK?

C steht für Computer.

  •  ·       geht der Computer an?
  • ·       Ist die Batterie noch voll genug?
  • ·       Ist der richtige Sauerstoffanteil eingestellt?

Das T steht für das Tariersystem, also das Jacket (BCD) und gegebenenfalls den Trockenanzug.

  • ist das Jacket korrekt angelegt?
  • ist der Inflatorschlauch (bzw. sind die Inflatorschläuche)
    fest angeschlossen?
  • kann Luft in das Jacket, bzw. den Anzug eingelassen werden?
  • kann die in das Jacket, bzw. in den Anzug eingelassene Luft
    wieder abgelassen werden?
  • funktionieren alle Ablässe? Öffnen und Schließen sie richtig?
  • sind alle Instrumente zugänglich und keine Schläuche  eingeklemmt?

Vertraut machen mit dem System des Buddys, Verschlüsse und Inflator (auch orale Befüllung)

Das B steht für Blei.

  •  ist der Bleigurt korrekt angelegt (eng anliegend, keine Bänder darüber)?
  • Sind alle Schnallen korrekt geschlossen?
  • sind die Bleitaschen gut gesichert? Wie können sie
    abgeworfen werden?
  • Wie kann der Bleigurt im Notfall abgeworfen werden?
  • Passt die Bleimenge?

  Das S steht für Schnallen.

  •  sind alle Schnallen korrekt geschlossen?
  • ist der Flaschengurt so fest angezogen, dass die Flasche
    einen festen Sitz hat?
  • sitzt die Flasche korrekt (nicht zu hoch, dass man mit
            dem Kopf anstößt, Fangschlaufe übergelegt)?
  • Mit dem System des Buddys (für Notfälle) vertraut machen.

Das L steht für Luft.

  •  wie hoch ist der Flaschendruck?
  • liefern Haupt- und Reserveregler Luft?
    (je zwei- bis dreimal aus jeder 2. Stufe atmen
    und dabei das Finimeter beobachten. Sinkt der
    angezeigte Flaschendruck bei dieser Überprüfung liegt ein
    Problem im System vor!)
  • ist das Flaschenventil bis zum Anschlag geöffnet und eine
    halbe Umdrehung zurück gedreht?

 Prüfe anschließend, ob deine ABC-Ausrüstung und evtl. weitere Ausrüstung bereit liegt und einsatzbereit ist.

Das OK steht für dein Ok- Zeichen

  • Frage deinen Buddy nun ob es ihm gut geht und er nun
    bereit ist um tauchen zu gehen.

Dieser Buddycheck ist vor jedem Tauchgang, also auch vor dem zweiten (dritten usw.) Tauchgang an einem Tag durchzuführen.

Zum einen dient es der Kontrolle ob dein Gerät wirklich richtig zusammengebaut ist. Zum zweiten lernt dein Buddy so aber auch deine Ausrüstung kennen und weiß wo und wie er dich im Falle eines Problems unterstützen kann.

6.10 Handzeichen

 Unter Wasser zu sprechen ist nur mit einer Vollgesichtsmaske und einer entsprechenden technischen Ausrüstung möglich. Dies macht Spaß und du solltest es bei Gelegenheit in deinem NSC Center einmal ausprobieren.

Um sich dennoch miteinander verständigen zu können, haben sich Taucher eine Reihe von Handzeichen ausgedacht. Viele dieser Zeichen verstehen alle Taucher. Es gibt aber regionale Abweichungen. Du kannst dir mit deinem Buddy oder mit deiner Tauchgruppe aber auch eigene Handzeichen definieren. Wichtig ist nur, dass dein Buddy ,du und jeder in der Tauchgruppe unter allen Handzeichen das Gleiche verstehen. Deshalb werden die Handzeichen auch beim Briefing besprochen.

Im Folgenden werden wir die gebräuchlichen Handzeichen darstellen. Achte bei der Nutzung der Handzeichen darauf, dass du sie deutlich anzeigst.

Es gibt noch mehr Zeichen und auch du kannst eigene definieren.

Sonst kannst du auch bei Kommunikationsproblemen eine Schreibtafel benutzen. Mit ihr kannst du nicht nur Signale geben, sondern auf detailreiche Fragen stellen. zu Kommunizieren hilft Sorgen und Stress zu verhindern.

Weitere Signale und Sicherheitseinrichtungen

Besonders bei Bootstauchgängen sind weitere Absprachen und Signale notwendig.

Das Briefing auf einem Boot sollte neben den eigentlichen Tauchgangsinformationen noch ein Rückholzeichen beinhalten. Dieses ist sehr wichtig, da bei einem Problem in der Gruppe, erst alle Taucher wieder an Bord sein müssen, bevor das Boot zum Beispiel

ablegen kann um medizinische Betreuung aufsuchen zu können.

Dieses Signal kann ein permanentes Klopfen mit einem Stück Blei an die Leiter sein. Das Klopfen kann man gut und in weiter Entfernung unter Wasser hören, wie du schon weiter vorne gelernt hat. Solltet ihr ein solches Zeichen hören, taucht ihr im Team sofort

kontrolliert auf und schaut was vom Boot für Signale gegeben werden. Auch üblich ist der Einsatz einer Rückholflagge, die für die Taucher das sofortige zurückkehren an Bord signalisiert.

Rückholeflagge

        Abholzeichen

ich schaffe es nicht zurück zum Boot,

 aber es ist alles in Ordnung

      amerikanische                             internationale Taucherflagge

      Taucherflagge                                 Alpha Flagge

Bei einem Bootstauchgang sollte als zusätzliche Sicherheitseinrichtung unter Wasser auf 5 Meter eine Safetybar gesetzt sein. An dieser Safetybar, kann man entspannt seinen Sicherheitsstopp

ableisten und hat im Falle eines Problem noch notwendige Ausrüstung dabei:

  • Eine Tauchflasche mit komplettem Atemregler - falls die Luft zu knapp oder Tauchzeiten überschritten wurden
  •  einen Bleigurt - falls zu wenig Blei mitgenommen wurde oder etwas verloren wurde
  • eine Signalboje (am besten eine Orange und eine Gelbe)  und
  • eine Schreibtafel, auf der man etwas notieren kann und ggf. mit  einer Boje an die Oberfläche senden kann um dem Bootspersonal eine Information zukommen zu lassen.

Solltet ihr unter Wasser mal ein Problem haben, so ist das Notsignal ein vierfaches Signal gefolgt von einer Pause.

Wenn ihr mal Hilfe leisten wollt, dann achtet vorrangig immer auf eure eigene Sicherheit. Am besten ist es immer einen Profi zur Hilfe zu holen.

Solltest du mal an der Oberfläche um Unterstützung rufen wollen, eignet sich eine Trillerpfeife wesentlich besser als lautes Rufen, da sie besser zu hören ist und Energie spart. Auch ist der Einsatz eines Spiegels als Signalmittel sehr effektiv.

Grundwissen Ende